Blimund (AT)
Marlene Monteiro Freitas
Marlene Monteiro Freitas wurde auf Sal geboren und wuchs in São Vicente auf, beide Inseln gehören zum Kapverdischen Archipel. Gemeinsam mit Florentina Holzinger bildet sie den künstlerischen Beirat der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in der Intendanz von Matthias Lilienthal. Mit ihren Arbeiten für die Bühne hat sie sich in den vergangenen Jahrzehnten ein ganz unverwechselbares Feld erschlossen und mit hybriden, offenen, sehr dichten, heterogenen und ins Vieldeutige kippenden Inszenierungen in der internationalen Kunst- und Theaterwelt große Anerkennung erhalten.
Ihre Stücke entwickeln eine eigene Erzählweise: nicht durch Figuren und Handlung, sondern durch Rhythmus, Bilder und Situationen. Musik ist hier nie Kulisse, sondern eine Architektur. Daraus entsteht oft keine Gesamtkomposition als vielmehr Reibung zwischen unterschiedlichen Welten, Ideen und Logiken, die so lange gegeneinander mahlen, bis etwas Anderes aufblitzt. Widersprüche werden nicht aufgelöst, sondern bleiben stets in Berührung, erzeugen Hitze, Texturen, Ab- und Überlagerungen.
Für ihre erste Inszenierung an der Volksbühne wendet sich Freitas dem Blimund zu – einem kapverdischen Volksmärchen, das von Gewalt, Ungleichheit, Opferbereitschaft und der Sehnsucht nach Freiheit und Liebe erzählt. Im Mittelpunkt steht ein Ochse, ein mythisches Wesen, das in vielen Erzählungen aus den unterschiedlichsten Kulturen der Welt vorkommt, dem etwas sehr altes, noch Ungelöstes innewohnt. Für Freitas ist ein Mythos nie nur eine Geschichte, die immer neu erzählt wird. Vielmehr dient er ihr als Oberfläche und Ausgangspunkt für assoziative Bilder, mit denen sie neue, spannungsgeladene Bezüge zwischen einander fremden Welten und Vorstellungen herstellt. So entsteht ein ganz eigenes Universum auf der Bühne, mit Freitas’ Handschrift, hochintensiv und hypnotisch.