Gegenfunk Wedding ist ein digitaler Sender, der von Jugendlichen aus Wedding und Moabit gemacht wird und in dem ihre Ideen im Mittelpunkt stehen, vor oder hinter der Kamera. In den Beiträgen treffen verschiedene Perspektiven aufeinander und machen erfahrbar, was die heute medial allgegenwärtigen Kriege für den Alltag der Jugendlichen vor Ort bedeuten.
Der Wedding verändert sich. Am Leopoldplatz soll ein Musterungszentrum entstehen, die Pierburg- Fabrik, ein Tochterunternehmen von Rheinmetall, stellt ihre Produktion von Autoteilen auf Waffen und Munition um. Bundeswehr-Werbung auf Dönerverpackungen, in Straßenbahnen und an Schulen. Die Gegenfunkmacher:innen haben unterschiedliche Erfahrungen mit Krieg und seinen Folgen. Manche sind selbst geflohen, andere kommen aus Familien mit Fluchterfahrung. Wieder andere besitzen einen deutschen Pass und erleben dennoch, dass ihre Zugehörigkeit verhandelt wird. Die Jugendlichen müssen sich nun gezwungenermaßen die Frage stellen: Würdest du für Deutschland töten?
Gegenfunk Wedding trifft sich im Antikriegsmuseum Berlin, eine der ältesten antimilitaristischen Institutionen der Stadt, gegründet von Ernst Friedrich. Die Sammlung des Museums zeigt, wie früh der Staat begann, Kinder zu zukünftigen Soldaten zu formen. Krieg spielen ist einfacher als Frieden. Zu den Mitgründer*innen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gehörte der Anarchist und Antimilitarist Gustav Landauer. Rosa Luxemburg, deren Namen der Platz trägt, sah im Krieg den Willen zur Unterwerfung als Folge ökonomischer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Gegenfunk nimmt die Geschichte der Volksbühne zum Anlass, sich mit den gegenwärtigen Kriegen auseinanderzusetzen.
In Kooperation mit Theater X in Moabit und MÄDEA in Gesundbrunnen entstehen mediale und performative Formate: Talkshows, Straßeninterviews, Reportagen sowie Siebdrucke, Plakate und eine mobile Sendestation, die im öffentlichen Raum aufgebaut werden kann. Zum Beispiel vor dem Musterungszentrum.
Gegenfunk Wedding ist ein dezentrales Projekt der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Stadtraum Wedding. Es beginnt im Herbst 2026.