





Körper, Klasse, Geschlecht stehen im Zentrum des zweiten Tages des MEDUSA Berlin Festivals mit dem Stück SEXUS des italienischen Dramatikers Alessandro Paschitto und dem prämierten Debüt aufstiegskörper. ein fühlversuch der deutschen Autorin Lena Riemer.
aufstiegskörper. ein fühlversuch von Lena Riemer
Sozialer Aufstieg durch Bildung gilt als Versprechen – doch der Bildungstrichter hält sich hartnäckig. Lena Riemers Figuren bewegen sich zwischen Herkunftsmilieu und neuen Bildungs- und Arbeitswelten. Sie entziffern fremde soziale Codes und trainieren Sprache, Haltung, Körper und Geist. In einem dichten Sprachstrom aus Gesagtem und Gedachtem macht der Text spürbar, wie sich der Druck des Aufstiegs in die Körper einschreibt. Ein Text über soziale Mobilität, Burnout und den Körper als Ort von Anpassung und Widerstand.
SESSO (SEXUS) von Alessandro Paschitto, übersetzt von Carola Köhler
Der Titel ist das einzige Wort, das im Text nie vorkommt, und doch geht es genau darum. SEXUS ist ein pointiertes und ironisches Spiel über Geschlecht, Identität und gesellschaftliche Erwartungen. Sprache – die zwischen Reportage, Varieté und flüchtigen Sketchen oszilliert – wird hier sowohl zu einem Kontrollinstrument als auch zum Raum theatralen Widerstands.
Es lesen: Knut Berger, Theresa Berlage, Joao D’Orey, Via Jikeli
Regie: Tobias Herzberg
Anschließend Publikumsgespräch mit der Autorin Lena Riemer und der Übersetzerin Carola Köhler.
Weitere Veranstaltungen des MEDUSA Berlin Festivals
Tobias Herzberg ist Regisseur und Dramaturg. Er studierte Theaterregie in Hamburg sowie Zürich und gehört seit 2023 zur künstlerischen Leitungsgruppe am Schauspielhaus Wien. Als Dramaturg war er am Wiener Burgtheater sowie am Maxim-Gorki-Theater Berlin tätig, wo er von 2017 bis 2019 auch das Studio Я leitete. Am Schauspielhaus Wien inszenierte er zuletzt die deutschsprachige Erstaufführung von Eve Leighs Verbranntes Land (Salty Irina). Enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit Autor*innen wie Nora Abdel-Maksoud, Sivan Ben Yishai, Max Czollek, Sasha Marianna Salzmann und Magdalena Schrefel. Herzberg lehrt an der Universität für angewandte Kunst Wien und engagiert sich als Mitglied der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) in der pluralen Erinnerungsarbeit.
Carola Köhler ist seit 2008 freie Lektorin mit Ausflügen ins Übersetzen. Sie studierte Neuere deutsche Literatur, Italienisch und Kunstgeschichte und war sechs Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin im Lehrstuhl für Italienische Sprachwissenschaft. 2017 entstand die Comic-Übersetzung von Zerocalcares Kobane Calling und Manuele Fiors Die Tage der Amsel, für die sie 2020 mit dem Förderpreis des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises ausgezeichnet wurde.
Alessandro Paschitto schloss 2021 sein Studium der Regie an der Schauspielschule Paolo Grassi in Mailand ab. Als Dramatiker und Regisseur gründete er die Theatergruppe Ctrl+Alt+Canc und hat Produktionen mit dem Teatro di Napoli – Teatro Nazionale und dem Campania Teatro Festival entwickelt. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und für verschiedene Festivals ausgewählt, darunter der Premio Nuove Sensibilità 2.0 und der In-Box Generation Award. Er wird in der Publikation Nuova Scena Italiana nel Mondo vorgestellt.
Lena Riemer studiert seit 2026 Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sie war Teil der Jury des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises und ist Teil der aktuellen Jury des Treffens junger Autor*innen. Ihr Debüt aufstiegskörper. ein fühlversuch wurde 2025 mit dem Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Bester Nachwuchs“ ausgezeichnet und von Christine Eder am Theater am Werk in Wien uraufgeführt. Ihr zweites Theaterstück, unreif, wurde für den Retzhofer-Drama-Preis 2025 nominiert.
MEDUSA wird aus dem EU-Programm Creative Europe gefördert und in Partnerschaft von Das Kombinat mit Drama Panorama (DE), En Kai Pan (IT), Casa del Contemporaneo (IT), 36 Monkeys (BG) und Eurodram BG (BG) umgesetzt. MEDUSA Festival Berlin wird von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt kofinanziert und findet in Kooperation mit der Volksbühne statt. Die Veranstaltung From Translation to Circulation: Three European Perspectives ist eine Kooperation mit dem Internationalen Theater Institut (ITI).