Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Sehen: Axolotl Overkill

Film von Helene Hegemann. Filmpremiere


Wirklich verzweifelt sieht das Axolotl nicht aus, wenn es durch die trübe Scheibe seines Aquariums hinaus in die Welt blickt. Weiß es, dass es in seiner Entwicklung steckengeblieben ist? Dass seine Kiemen nie zu Lungen werden, dass es nie erwachsen werden wird? Seine Metamorphose ist bei den Menschen draußen vor der Scheibe die Pubertät. Aber hier draußen wimmelt es von ausgewachsenen Menschen, die nicht erwachsen werden. Und eine Jugendliche, die so abartig erwachsen wirkt, dass auch bei ihrer Metamorphose etwas nicht stimmt. "Typischer Fall von Ich werd erschossen und du stirbst". Mifti, bitte, geh einfach nur zur Schule, meint ihre große Schwester. Und wenn Mifti, das Axolotl, sich auf den Schulweg macht, liegen alle aber schon tot oder ohnmächtig auf der Straße, der Atomschlag hat schon stattgefunden in ihrer Welt. Axolotl Overkill ist also ein Film von Jenseits des Weltuntergangs. Die Erwachsenen darin hysterisch verzweifelt, in Posen von Leben gefangen, sie wirken wie trotzige Kinder und Mifti mittendrin hat das alles schon hinter sich.
Und wie Mifti im Schleudergang durch das Kunst Boheme Purgatorium wirbelt, hin zu einer Katharsis, von der sie selbst noch keine Ahnung hat, und die vielleicht mehr mit der Suche nach einem besseren Handyempfang zu tun hat als mit Selbsterkenntnis, das ergibt einen Sog, dem man sich schwer nur entziehen kann.

Helene Hegemann hat sich vor Jahren als Teenager in ihrem Roman Axolotl Roadkill diese Mifti vom Leib geschrieben. Jetzt folgte die Verfilmung, die aufs renommierte Sundance Film Festival eingeladen wurde. Der Film ist dabei alles andere als Mainstream, er ist brüchig, delirierend, verstörend in seinen Szenen und Ortswechseln, wunderbar geschnitten und schleppt nebenbei das ganze Diskursive der untergehenden Volksbühne mit sich rum. Texte von Boris Groys, René Pollesch und Frank Castorf werden integriert. Bernhard Schütz brilliert als süffisanter Vater der fantastischen Jasna Fritzi Bauer als Mifti. Und Anja Plaschg alias Soap&Skin singt dazu: Me and the devil walking side by side.

Michael Busch

 

Mit Jasna Fritzi Bauer, Arly Jover, Mavie Hörbiger, Laura Tonke, Julius Feldmeier, Hans Löw, Christopher Roth, Bernhard Schütz 

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

  

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