Hören: Bryce Dessner, stargaze, Cantus Domus u.a.

stargaze orchestral – From Bach to Greenwood. Mit Kompositionen von Bryce Dessner, David Lang, Johann Sebastian Bach und Grateful Dead. DJ ab 19 Uhr im Rechten Seitenfoyer: Jochen Arbeit


Ein Wochenende im Dezember, eine Bühne in Berlin-Mitte und 14 Musik-Performances aus dem Spannungsfeld zwischen revitalisierter Klassik, elektroakustischem Pop und Folk markieren die Eckpunkte eines Musikfestivals, das so thrilling, so schlüssig und so diesseits eingetretener, lange nicht mehr hinterfragter Festival-Pfade liegt, dass man von einem potenziell wegweisenden Musikereignis für Berlin sprechen muss.

Der Freitagabend hat spirituelle Musik zum Thema — und deckt damit ein Grundbedürfnis unserer heutigen durchrationalisierten Zeit ab, die gleichsam in ihrem technokratischen Perfektionsstreben schmerzhaft die Anwesenheit einer Abwesenheit spürt. Übersetzt in die Sprache der Musik, könnte man also von einer modernen klassischen Variante der saudade sprechen, jener populären Portugiesischen Spielart der Musik, die den Verlust und die Ungreifbarkeit des Abwesenden so meisterhaft in Melodien und Stimmungen übersetzt. stargaze hat es verstanden, ein Programm zu schnüren, das sich dem Thema Spiritualität in der Musik fast schon dadaistisch nähert: Eine neu arrangierte Bach-Kantate #150, „Nach dir, Herr, verlanget mir“, bildet neben dem Stück „Grateful Dead – What's Become of the Baby“ den Kern des Eröffnungsabends — beide werden aufgeführt vom stargaze-Ensemble und Cantus Domus. Von dem Pulitzer-Preis-Gewinner David Lang wird das Stück „Death Speaks“ aufgeführt, für Sopran, Violine, Gitarre und Piano. Aus vielen Schubert-Liedern nahm Lang Worte und setzte diese zusammen zu einem neuen Libretto, zu einer Collage zum Thema Tod. Der Abend, und somit das dreitägige Fest, wird eröffnet – wie auch schon im vergangenen Jahr – durch ein Streichquartett von Bryce Dessner, das er für das „Kronos Quartett“ geschrieben hat: „Tenebrae“. De Ridder: „Tenebrae ist eine am Gründonnerstag beginnende, dreitägige Katholische Messe zu Ostern, bei der während der Predigt jeweils 15 Kerzen ausgelöscht werden, eine nach der anderen, bis es dunkel wird. Dieses Stück beschreibt diese Messe in Retrospektive, geht also zum Licht hin.“ Die übergeordnete Frage des ersten Abends lautet: Wo liegen die Quellen, wenn Spiritualität auch in der Popmusik (und –kultur) wieder zum Thema wird und neu in ihr erklingt?

Max Dax

  

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stargaze orchestral Tag 2
stargaze orchestral Tag 3

Tickets kosten pro Abend 28,- Euro bzw. 22,- Euro (ermäßigt).

stargaze orchestral in Kollaboration mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin wird durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds realisiert.

 

 

 

 

 

 
Medienpartner:

                                         
                                             
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