Geschichten aus dem Wiener Wald

Christoph Marthaler inszeniert Ödön von Horváth


Geschichten von Deklassierten, von abgestürztem Mittelstand, von Menschen im sozialen Niemandsland: Ödön von Horvath schrieb von diesen traurig-komischen Überlebensversuchen Ende der 20er Jahre, einer Zeit der großen Wirtschaftskrise, der Verarmung, in der viele nach dem Ersten Weltkrieg sozial funktionslos und überflüssig Gewordene ein Wählerpotential der Nazis bildeten. Die sozialen Phänomene der 20er Jahre sind erstaunlich aktuell. Bühnenbildnerin Anna Viebrock hat für Christoph Marthalers Inszenierung an der Volksbühne einen dementsprechenden Raum erfunden: Ein Hof in Marzahn, eine geschlossene Berliner Gaststätte und der geöffnete Eingang ins Wiener Belaria Kino, wo die alten Leute sitzen und immer nur die Filme aus der Vergangenheit laufen. In Horvaths „Wiener Wald“ sehnen sich die Menschen nach imaginären Vergangenheiten: Vor allem nach einem Heimatgedanken, kulturellen Werten und Religion. Das Wort Wien könnte man immer durch Heimat und Heimatgedanken ersetzen, fast wörtlich in den heutigen NPD-Manifesten nachzulesen.

  

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Mit: Josef Ostendorf (Zauberkönig), Bettina Stucky (Marianne), Ueli Jäggi (Oskar), Stefan Kurt (Alfred), Katja Kolm (Valerie), Matthias Matschke (Rittmeister), Marc Hosemann (Erich), Ulrich Voß (Der Mister), Thomas Wodianka (Havlitschek), Rosemarie Bärhold (Eine Kinobesucherin), Hildegard Alex (Die Mutter), Silvia Fenz (Die Großmutter) und Clemens Sienknecht (Piano / Conférencier)

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Dorothee Curio
Licht: Henning Streck
Dramaturgie: Stefanie Carp

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