Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
  Video starten
Keine weiteren Vorstellungen

Abgeguckt - Laufbildabende

Laufbildabend von und mit Alejandro Bachmann, Bernd Schoch, André Siegers, Mad Angus. Zu Gast: Till Brockmann.


Bilder lassen sich nicht aufklären, sie wollen nur erobern, hinaus aus dem Kino, hinein ins Leben. Dahinter steckt noch nicht einmal ökonomisches Kalkül. Nur Expansion. Die Geschichte der Filmtheorie ist nichts als eine gescheiterte Zivilisationsgeschichte, gestehen wir also den Bildern das Barbarische zu, lassen wir uns von ihnen überwältigen. Geben wir den Bildern die Bilder zurück. Bachmann, Schoch und Siegers servieren ausgewählte Film- und Bewegtbildfragmente, um in eben dieser Form eine Antwort darauf zu erhalten – von ihren Gästen.

#4 - Die Zeitlupe / Der Zeitraffer

Die erste Zeitlupenkamera wurde von einem österreichischen Priester erfunden. Vielleicht nicht wirklich verwunderlich, liegen doch Zeitlupe und Ritual eng beieinander. Denn Langsamkeit, so der Zeitlupenexeget Till Brockmann, schafft Bedeutung. Das Brot, das sich in der Kirche in den Leib Christi verwandelt, wird mit einer Langsamkeit zur Schau gestellt, die die Relevanz des Ereignisses ausstellt und markiert. Ist die Zeitlupe also das filmische Äquivalent zur christlichen Transsubstantiation? Der Filmemacher wäre dann so etwas wie ein Priester des Profanen, der mittels Zeitlupe die Welt verzaubert.

Die Zeitlupe verwandelt Körper und Bewegungen. Sie bringt Neues hervor. Aus einer Prügelei wird eine Bewegung des Begehrens. Aus Fußballern wird eine Gemeinschaft der Liebenden. Der Körper in Superzeitlupe, ein Bild der Deformation und Verzerrung wird zur Reminiszenz an die Malerei Francis Bacons. Was auch immer die Zeitlupe sein mag: Pathosproduzent, Affekthascher, ironischer (Selbst-) Kommentar, anti-narrativer Isolationsmodus oder die einzig angemessene Darstellungsweise „Haare im Wind“ abzubilden, sie hat nicht nur die Shampoo-Werbung für immer revolutioniert, sondern auch unsere Wahrnehmung von Welt verändert.

In der 4. Ausgabe von Abgeguckt wollen wir uns am 9. Oktober mit dem Zeitlupenexperten Till Brockmann den profanen und heiligen Aspekten dieses filmischen Mittels widmen und dabei weder den Ton noch die Gegenbewegung, den Zeitraffer außer Acht lassen. Für die musikalische Umformung der Zeit zeigt sich Mad Angus verantwortlich.

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

  

Abgeguckt #7: Anfang und Ende (Trailer) from Volksbühne Berlin on Vimeo.

 

Die Reihe "Abgeguckt"


Bilder lassen sich nicht aufklären, sie wollen nur erobern, hinaus aus dem Kino, hinein ins Leben. Dahinter steckt noch nicht einmal ökonomisches Kalkül. Nur Expansion. Die Geschichte der Filmtheorie ist nichts als eine gescheiterte Zivilisationsgeschichte, gestehen wir also den Bildern das Barbarische zu, lassen wir uns von ihnen überwältigen. Geben wir den Bildern die Bilder zurück!
Seit 2014 servieren Alejandro Bachmann, Bernd Schoch und André Siegers je nach Thema des Abends ausgewählte Film- und Bewegtbildfragmente, um in eben dieser Form eine Antwort von ihren Gästen darauf zu erhalten.

//