Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Sa 03.12. 20:00 Roter Salon
#6 - Bild im Bild. Zu Gast: Michael Palm.
Und davor: Abgeguckt Spezial: Michael Palm „Low Definition Control  
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Abgeguckt - Laufbildabende

Mit Alejandro Bachmann, Bernd Schoch, André Siegers, Jan Peters und Mad Angus


Bilder lassen sich nicht aufklären, sie wollen nur erobern, hinaus aus dem Kino, hinein ins Leben. Dahinter steckt noch nicht einmal ökonomisches Kalkül. Nur Expansion. Die Geschichte der Filmtheorie ist nichts als eine gescheiterte Zivilisationsgeschichte, gestehen wir also den Bildern das Barbarische zu, lassen wir uns von ihnen überwältigen. Geben wir den Bildern die Bilder zurück. Bachmann, Schoch und Siegers servieren ausgewählte Film- und Bewegtbildfragmente, um in eben dieser Form eine Antwort darauf zu erhalten – von ihren Gästen.

#1 - Der Point of View Shot

Wollten sie immer schon mal wissen, wie ein Brot auf die Welt schaut? Die neue Bewegtbildreihe „Abgeguckt“ redet am 28.10. mit dem Filmemacher Jan Peters über den subjektiven Blick eines Graubrots und versucht gemeinsam mit dem Publikum der Frage nachzugehen, was der Point of View Shot eines Gebäcks über den Spätkapitalismus zu verraten hat. Entlang der Filmgeschichte und dem digitalen Äther des World Wide Web sollen unterschiedliche Erscheinungsformen der subjektiven Kamera in ihrem Weltbezug diskutiert werden. Deutlicher als bei anderen filmischen Einstellungen stellt sich hier nämlich nicht nur die Frage nach dem, was wir sehen, sondern wer da eigentlich auf die Welt blickt und wie. Letztlich ist der Point of View Shot dann vielleicht mehr eine Frage der Einstellung als eine Einstellung. Für den musikalischen Standpunkt zeigt sich an diesem Abend Mad Angus verantwortlich.

Jan Peters (*1966) ist Filmemacher, Produzent und Hörspielautor. Er studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und war dort Mitbegründer des Filmemacherkollektivs "Abbildungszentrum". Neben seinem Langzeitprojekt "Ich bin...", für das er lange Zeit ausschließlich Super-8-Material verwendete, drehte Peters zahlreiche preisgekrönte Kurz- und Langfilme. Außerdem realisierte er Hörspiele fürs Radio und im November 2011 die Theaterperformance "Ausflug nach Kohlhasenbrück" am Maxim Gorki Theater. Zuletzt produzierte er den Kurzfilm HUNDEKOPFTEE (D/CH 2014) von Marie-Catherine Theiler und hatte als Filmemacher ein Stipendium am CERN (Europäische Organisation für Kernforschung,) in Genf.

Tickets kosten an unseren Billettkassen 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).   

Abgeguckt #6 - Bild im Bild from Volksbühne Berlin on Vimeo.
 

#6 - Bild im Bild

Das Museum ist ein Bildraum, der dem Betrachter die Möglichkeit bietet, sich entfesselt durch die Räume und zwischen den Bildern hin und her zu bewegen. Sich wie der depressive Cameron Frye in Ferris Bueller´s „Day Off“ in ihnen zu verlieren, zu entdecken und Verknüpfungen zwischen ihnen herzustellen. Ein Raum, in dem sich Bilder und auch Töne, teils ungewollt, überlagern und der Betrachter selbst neue Sinnzusammenhänge produziert. Am radikalsten vertrat dieses Prinzip die üppige Petersburger Hängung, die das Arrangement von Bildern auf dem Desktop, der Google Bildersuchmaschine, Instagram oder N24 historisch vorweggenommen hat. Hier wurden alle Gemälde, die man besaß, an die Wand geklatscht, weniger im Hinblick auf die Emanzipation des Zuschauers und eine Demokratisierung der Bilder, als aus einem ökonomischen Imponiergehabe heraus.
Über die heutigen digitalen Varianten dieser Bildanordnungen wird hin und wieder die Nase gerümpft: Zu viel, zu beliebig, zu verschwenderisch, zu überfordernd. Das Sinnesorgan, der vor allem vor 1980 Geborenen, der sogenannten digital immigrants, macht schlapp, wird von der Flut und der Gleichzeitigkeit der Bilder erschlagen. Geht es uns also letztlich wie Bruce Lee in „Enter the Dragon“, wenn ihm die Bilder im Spiegelkabinett die Orientierung rauben und ihn letztlich nur noch die Worte seines alten Meisters zum Sieg über die Bilder und den Bösewicht verhelfen können. „Du darfst nicht vergessen, dass der Feind nur Bilder und Illusionen hat... Zerstöre die Bilder und du besiegst den Feind." Oder lässt sich jenseits dieses Ikonoklasmus in den „Bild im Bild“ Verfahren (z.B. in der inneren Montage, dem Splitscreen-Verfahren) eine Art politische Ästhetik erkennen, die Bildhierarchien aufbricht, Autoren abschafft, Kontingenzen erschafft und den Zuschauer mehr Eigenbeteiligung und Mitbestimmung aufbürdet.

Wie verbindet sich der Argwohn gegenüber diesem Bilderwust mit einem Glauben, dass gerade das PopUp den Betrachter emanzipiert? Zusammen mit unserem Gast, dem Filmemacher, Theoretiker, Schnittmeister, Sounddesigner und Kung-Fu Experten Michael Palm wollen wir in der 6. Abgeguckt Folge die 37. Kammer der Shaolin öffnen.


Die Reihe "Abgeguckt"


Bilder lassen sich nicht aufklären, sie wollen nur erobern, hinaus aus dem Kino, hinein ins Leben. Dahinter steckt noch nicht einmal ökonomisches Kalkül. Nur Expansion. Die Geschichte der Filmtheorie ist nichts als eine gescheiterte Zivilisationsgeschichte, gestehen wir also den Bildern das Barbarische zu, lassen wir uns von ihnen überwältigen. Geben wir den Bildern die Bilder zurück!
Seit 2014 servieren Alejandro Bachmann, Bernd Schoch und André Siegers je nach Thema des Abends ausgewählte Film- und Bewegtbildfragmente, um in eben dieser Form eine Antwort von ihren Gästen darauf zu erhalten.


Michael Palm
(geb. 1965 in Linz, Oberösterreich) ist seit 1988 als Filmschaffender hauptsächlich in den Bereichen Schnitt und Musik/Tongestaltung aktiv, seit 2001 als Regisseur von Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilmen.
Er studierte an der Wiener Filmakademie und an der Universität Wien in den Bereichen Philosophie, Film- und Medienwissenschaft. Er ist Verfasser zahlreicher Vorträge und Publikationen zur Theorie und Ästhetik von Film und Kino, war von 1990-94 Filmkritiker (Der Standard, Falter) und 1998–2015 Lektor an der Wiener Filmakademie; zur Zeit lehrt er an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und an der Kunstuniversität Linz. Palm war Gründungsmitglied von PVS Verleger und Navigator Film und ist Mitglied von SYNEMA, Gesellschaft für Film und Medien, DOK.AT, Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm und von AEA, Österreichischer Verband Film- und Videoschnitt. Er lebt und arbeitet in Wien.

Website

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

Kombipaket Abgeguckt Screening + Abgeguckt #6 für € 10,- Euro bzw. 8,- Euro (ermäßigt).


Filmographie als Regisseur:

2016 CINEMA FUTURES
2012 SET IN MOTION (mit Willi Dorner)
2011 LOW DEFINITION CONTROL – MALFUNCTIONS #0
2009 BODY TRAIL CCTV
2009 BODY TRAIL (mit Willi Dorner)
2009 LAWS OF PHYSICS
2005 MOZART SELLS
2004 EDGAR G. ULMER – THE MAN OFF-SCREEN
2003 SIM MOVIE
2001 SEA CONCRETE HUMAN – MALFUNCTIONS #1

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