Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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P14 - Das K

nach Franz Kafka und Robert Walser - Zimmermann


I. Eine Gesellschaft, in welcher kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als ein „eigentümlicher Apparat“, das einzelne Individuum als seine Elementarform.

II. Wie dem auserwählten Volk auf der Stirn geschrieben stand, dass es das Eigentum Jehovas, so drückt die bürgerliche Gesellschaftsordnung dem Menschen einen Stempel auf, der ihn zum Eigentum des Kapitals brandmarkt.

III. Schrift hat roh begonnen, als die Menschen sich Wundmale beibrachten, um ihren Göttern Blutopfer zu entrichten. Die Schriftart des Kapitals ähnelt sich jenem kultischen Ursprung bedrohlich an. Sie verursacht Wundmale neuen Typs. Sie beschädigt das Leben durch Elend und Unterdrückung, zeigt sich in der Instrumentalisierung der Vernunft, in der Verriegelung der Sinne, in der Lähmung der Vorstellungskraft, in einer Befreiung vom Denken und im Erkalten der Sprache.

IV. Franz Kafka und Robert Walser haben sich in ihrer jeweiligen Eigenart als Chronisten jener Phänomene erwiesen und korrespondieren insofern mit einem umfassenden Vorhaben, welches Karl Marx im Begriff der „industriellen Pathologie“ fasste: die Beschädigungen des Lebens als Ausdrucksformen einer verkehrten Gesellschaftsordnung erkennbar zu machen.

V. Die Botschaften des Kapitals verstehen sich nicht von selbst. Durch eine eigentümliche Apparatur verschlüsselt, bedarf im Gegenzug auch ihre Erkenntnis technischer Vermittlung. Hier wird darum die Technik der literarischen Montage bemüht. Aus Werken Kafkas und Walsers herausgesprengte Elemente beginnen zu reagieren; mit den neuen Verbindungen, die sie eingehen, entstehen neue Bedeutungen und wird Unerkanntes kenntlich.

  


Von und mit: Joy Dorany, Katia Fellin, Josefin Fischer, Judith Gailer, Leonie Jenning, Niklas Korte, Luis August Krawen, Tom Müller, Samira Rohde, Thomas Zimmermann
Technische Leitung: Leander Hagen

P14-Leitung: Vanessa Unzalu-Troya

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