Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Eine Grandguignolade von Frank Castorf nach Louis-Ferdinand Céline


„Sie halten sich also für einen Chronisten?“ - „Nicht mehr und nicht weniger!...“ - „Ganz ohne Hemmungen?...“ - „Fordern Sie mich nicht heraus!“

Frank Castorf fordert heraus. Beharrt auf dem Recht des Künstlers Louis-Ferdinand Destouches, genannt Céline, Fehler zu begehen und lässt den wegen Kollaboration verurteilten Autor für eine Auseinandersetzung auferstehen. Céline zog als 18jähriger freiwillig in den Ersten Weltkrieg und lernt später bei einer Sklavenhandelsfirma in Afrika als Arzt Kolonialismus und Militarismus gründlich hassen.
Seine wüsten Anfeindungen gegen heuchlerische Kriegstreiber und Militaristen, die schmerzhaft detaillierten Beschreibungen der rohen Wunde Krieg werden von der intellektuellen Linken am Vorabend des Zweiten Weltkriegs weitgehend als Parteinahme für die Opfer der Waffengewalt verstanden. Doch Leo Trotsky behielt Recht, als er im Mai 1933 über Céline schrieb: „Die aktive Revolte ist immer mit Hoffnung verbunden, in Célines Buch gibt es keine Hoffnung.“
So gravitiert der Autor weiter um Hass und Krieg, verfasst vier antikommunistische und antisemitische Pamphlete und flieht 1944, am Ende der Besatzungszeit aus Frankreich, begleitet von seiner Frau, der schweigsamen Tänzerin Lucette, dem befreundeten Schauspieler Le Vigan und dem genügsamen Kater Bébert.

Inmitten der brandenburgischen Moorlandschaft macht Célines Zug durch Europa Halt auf der Flucht durch das zusammenbrechende Dritte Reich, er beschreibt dessen Untergang von innen. Das Stakkato seiner naturalistisch - phantastischen Bestandsaufnahme des Zerfalls wird allenfalls übertönt von dem anhaltenden Bombenhagel. Der Luftkrieg als Katalysator setzt alle Ordnungsprinzipien außer Kraft. Übrig bleibt ein vielschichtiges Überleben in der Katastrophe, ein Zusammentreffen von polnischen, russischen, französischen Kriegsgefangenen mit Dorfbewohnern, nationalsozialistischen Machthabern und schutzsuchenden Kollaborateuren.
Es mordet, feiert und stirbt das Europa des Zweiten Weltkrieges dem entgegen, was später als Stunde Null behauptet werden wird.   mehr

Mit: Annekatrin Bürger, Frank Büttner, Irina Kastrinidis, Young-Shin Kim, Michael Klobe, Christoph Letkowski, Inka Löwendorf, Thorsten Merten, Milan Peschel, Trystan Pütter, Silvia Rieger, Lars Rudolph, Sir Henry, Herman Herrmann (Gitarre, Mandoline), Boris Jöns (Mandoline) und Ole Wulfers (Gitarre, Mandoline)

Regie und Bearbeitung: Frank Castorf
Bühne und Kostüme: Bert Neumann
Dramaturgie: Dunja Arnaszus

Koproduktion der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit den Wiener Festwochen, dem Festival d'Avignon und dem Athens Festival

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