Extrem jerne politisch!

BERLIN: ein Widerstandsnest. Der Titel HAUPTSTADT sagt: Behauptung. Der Mensch behauptet sich mit Denken, der Berliner, wo es ihn noch gibt, mit Schnauze. EXTREM JERNE POLITISCH, zum Beispiel. Am 29. und 30. Oktober behauptet sich die Volksbühne mit einer Überdosis BERLIN in über 55 – großen, kleinen, kleinsten - Produktionen – in über 21 Stunden an insgesamt 31 Spielorten im Bermudadreieck zwischen Weydinger-, Rosa-Luxemburg- und Linienstraße, Nähe Alex, Nähe altes Scheunenviertel, Nähe Mitte, Nähe Prenzlauer Berg, Nähe Berlin überall! Die Volksbühne ein Widerstandsnest: gegen den Zeitgeist, gegen den Trend, gegen den Lifestyle, der die Stadt in ein Schaufenster verwandelt. Für die Gegenbewegung, die der Kunst den politischen Anspruch zurückerobert. § 1 "Berlin kannste nich erobern, in Berlin kannste dir höchstens behaupten!"

DRAUSSEN
VOR DER VOLKSBÜHNE

18 Uhr
GROSSSTADTCHOR // Leitung: Jürgen Daniel Lehmann / stefanpaul.
Spektakelstart: Viertelstundenauftakt mit GROSSSTADTCHOR und Texten von Benn und Grosz bis Papenfuß und Reiser, mit Liedern von Mahler, Waldoff und Eisler.

18.15 Uhr, 19.30 Uhr und 21 Uhr
REALTHEATERFÜHRUNG
„GESCHICHTE WIRD MIT KUNST GEMACHT“ Collage: Thomas Martin // Einrichtung Nico Dietrich
Um die Volksbühne in vier Stationen. Vor- und nachgespielt wird: 1. Polizistenmord vorm Babylon; 2. Weihung des Polizei-Denkmals an der Volksbühne; 3. Kampf um die Rote Fahne in der Linienstraße (beobachtet von Bertolt Brecht); 4. Stürmung des Karl-Liebknecht-Hauses durch uniformierte Barbaren. Samstag 18.15 Uhr exklusiv: Verteidigung der Parteizentrale durch Gregor Gysi. Bonus: Nicht-genehmigte Umbenennung des Rosa-Luxemburg-Platzes, öffentlich! Mit Sophie Brustlein, Micha Huht, Marc Ben Puch, Steffen Roll, Anna Schmidt, Jörg Tatarczyk Kraut Hillsens Polizei-Denkmal und Statisten.

18.30 bis 19.30 Uhr um die Volksbühne
RUNNIG MIKE // spokenwordberlin
Eine politische Mischung aus Performance und Poesie, aus purem Scherz und reiner Wahrheit, aus feuchten Dichterhänden und heiß geklatschten Publikumstatzen. Das ist Spoken Word. Inhalt ist das Leben selbst: von A wie Ausgehen über M wie Mugge bis Z wie Zanken. Live-Literatur at its best! Mit Till Reiners, Daniel Hoth, Robby Isenberg, Gauner und Wolf Hogekamp.

19 Uhr und 21 Uhr
LOB DER PROFANIERUNG MIT HILDEGARD ALEX AUF DEM BIERBIKE
Eine Aktion von Clemens Schönborn
„Wozu soll Kunst denn eigentlich sein?“, fragt 1962 Erwin Piscator und antwortet: „Dass sie angewandt wird im praktischen Leben, dass sie notwendig ist, dass sie angefasst, dass sie gebraucht werden kann, als ein Angriffsmittel, als vorwärts schreitendes Mittel.“ Also Profanieren - dem Gebrauch zurückgeben. Eine Fahrt mit dem Bierbike um und durch die Volksbühne. Was durch einen Ritus abgesondert wurde, kann durch einen Ritus wieder in die profane Sphäre eingespeist werden. Mit Hildegard Alex, Barbara Philipp und Jörg Pohl.

PSSST!-WAGEN
VOR DER VOLKSBÜHNE

18.15 Uhr
RIXDORFER PERLEN // Regie: Julia von Schacky
Alle Welt spricht von Neukölln, als der heißesten Party der Welt oder als Berlins berühmtestem Problemkiez. Was muss die Welt wirklich über Neukölln wissen? Was darf unter den Teppich gekehrt werden? Die drei Kiez-Grazien stoßen auf tolle Geschichten, gut gelagerten Alkohol und entdecken den ein oder anderen vergessenen urneuköllner Welthit! Neue Schoten, Shots, Chansons vom Neuköllner-Kult-Trio! Rixdorfer Perlen. Mit Inka Löwendorf, Johanna Morsch, Britta Steffenhagen.

19.30 bis 22 Uhr
MAIDEN MONSTERS ARMY // DIE SUPPE
Maiden Monsters Army: „Suppe, Songs und echte Worte!“ Dagegen sein, reicht nicht. Die Welt braucht uns. Jetzt! Unser Auftrag: Dem wuchernden Übel im Staate etwas entgegensetzen. Die zu beantwortende Frage: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Wer schält, gewinnt... Wir beschenken die Stadt mit uns: Die Maiden Monsters Army lebt!


PAVILLON

18 Uhr bis 23 Uhr
STADTBÜCHEREI
Harth und Helbing, Musiker und Hobbybibliothekare, reichen Ihnen im Pavillion neben der Volksbühne für 1 € Leihgebühr pro Stück aus dem Berlinregal B1 - 100 ihrer Stadtbücherei gern die gewünschte Lektüre über die Theke: zum Lesegenuss allein oder mit Freunden, jedenfalls aber mit einem gut temperierten Wodka am Platz. Von und mit Johannes Harth und Olaf Helbing.

GROSSES HAUS

18.30 Uhr
PENSION SCHÖLLER! L´EXPLOSION DE LA CŒUR! DIE SCHLACHT! P14 // Regie Jan Koslowski
Berlin 1945. Ein Keller. Der Roman der Revolution ist beendet. Überall nur Pisse und Kacke, aber in der Pension Schöller wird weiter gespielt, gern auch politisch. In den Tiefen des Dschungels hat sie sich verschanzt; die Pension gibt nicht auf. Verfolgt von einer Armada voll Weiblichkeit. Ihre Parole: kleine Anschläge, große Emotionen. Merci Nikita, mon beau. Weniger Politik, mehr Geschmack. Draußen wird philosophiert, drinnen gibt es Zuckerbrot und Peitsche. Ein sentimentaler Rückblick auf Frank Castorfs Inszenierung PENSION SCHÖLLER/DIE SCHLACHT. P14-Leitung: Vanessa Unzalu Troya. Es spielt P14.

20 Uhr // Zelt
BRONNEN // BRASCH
betreut von Markus Boestfleisch
Wenn Veränderung eine Chance ist, dann sollte man bleiben. Menschen geben sich dem Leben hin, sie verraten sich Dinge, Sachen, Geheimnisse, und Inhalte sie erzählen sie nicht, und dabei verraten sie sich gegenseitig. Mit Alexander Scheer und Thomas Thieme.

20 Uhr // Vorbühne
DER KLEINE BRUDER Sven Regener // Regie: Leander Haußmann und Sven Regener
Der ist ziemlich mit den Nerven fertig, dachte Frank, und er selbst, soviel war mal klar, war das mittlerweile auch. Neues Leben hin, neues Leben her, dachte er, es sollte nicht mit der Fahrt durch einen langen, dunklen Tunnel beginnen. Oder vielleicht doch, dachte er, als in der Ferne die hell strahlende Grenzkontrollstelle auftauchte wie ein frisch gelandetes Raumschiff, oder vielleicht gerade doch. Es spielen Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin.

21 Uhr
GREGOR GYSI UND FRANK CASTORF IM RADIODUELL
Erwin Piscator vs. Joseph Goebbels 1930.
P: Wie ich aus verschiedenen Artikeln Ihrer Feder entnehme, stimmen wir beide als Revolutionäre – ob wir nun eine internationale oder nationale Revolution erstreben – überein in der Meinung, daß jede Kunst volk- und zeitbedingt ist.
G: Ich war bisher der Meinung, daß die Kommunisten weltanschaulich durchaus keine volks- und zeit¬bedingte Kunst wahrhaben wollen. Der Begriff Volk existiert nach meiner Kenntnis nicht für Ihre Ideologie. Wenn Sie der Meinung sind, daß internationale und nationale Revolutionäre übereinstimmen in der Meinung, daß jede Kunst volksbedingt ist, liegt es mir nicht ob, Ihnen diese Meinung zu widerlegen, da es ja die meinige ist.

22 Uhr // Vorbühne
CAPTAIN BERLIN // Regie Jörg Buttgereit
Erlösung durch Trash: Adolf Hitlers treue Leibärztin Dr. Ilse von Blitzen reanimiert das Gehirn des Führers im Jahr 1973 zu neuem Leben und verpflanzt es in einen mächtigen Roboter. Kann der einzig wahre deutsche Superheld Captain Berlin die neuen Welteroberungspläne von Hitler-Robo verhindern? Jörg Buttgereit zeigt Höhepunkte seines Stücks CAPTAIN BERLIN VERSUS HITLER und gibt erste Einblicke in das nächste Abenteuer CAPTAIN BERLIN IN HIROSHIMA.
Mit Jürg Plüss, Adolfo Assor, Sandra Steffl, Claudia Steiger u.a..

22 Uhr // Zelt
LEHRSTÜCK // Bertolt Brecht / Musik Paul Hindemith // Regie Frank Castorf
In Deutschland bildet Brechts Lehrstück, das die Mitwirkenden „durch Theaterspielen“ zu marxistischem Bewusstsein erziehen soll, den Ursprung der materialistischen Dialektik auf dem Theater. Dorthin begibt sich Frank Castorf mit seiner Inszenierung des LEHRSTÜCKS, über das Katastrophenpotential der Moderne. Vier dem Fortschritt dienende Flieger stürzen ab – sie vergaßen „ihres Aufbruchs Ziel“. Ein Chor fragt, ob der technische Fortschritt überhaupt nütze und auch, ob der Menschen dem Menschen helfe? Soll der Mensch das Sterben lernen und die eigene Endlichkeit als kleinste Größe annehmen?
Regie: Frank Castorf. Raumidee: Bert Neumann. Musikalische Leitung: stefanpaul. Mit: Kathrin Angerer, Maria Kwiatkowsky, Hans Schenker, Mex Schlüpfer, Axel Wandtke, Ruth Rosenfeld, Maren Claus, Barbara Jaenichen, Gesina Krebber, Petra Wunderling, Marian Kalus, Frank Bauszus, Tobias Fischer, Fritz Huste, stefanpaul, Martin Curth, Ulf Behrens, Gregor Fuhrmann, Natalia Ladstätter.

23.30 Uhr
SCHMEISS DEIN EGO WEG! (nach 1000 robota) // René Pollesch
Es gibt keinen Dialog. Stattdessen werden Sie immer dann reden, wenn Thea Dorn redet. Sie müssen sie synchronisieren. In einer Talkshow zum Beispiel, zu der auch Sie eingeladen sind. Erst wenn Sie kein Wort mehr über ihre Lippen kommen lassen, das nicht von Ihnen ist, wird es zu einer Verständigung kommen. Da gibt es keine Inhalte in einem Dialog, im Dialog sagt nur jeder, wer er ist. Also müssen Sie die Texte auf andere Weise verteilen. Sie sprechen unentwegt und Thea Dorn versucht, dazwischen zu kommen, und kann nur noch stoßweise plazieren, dass Sie „gekauft“ wurden. Die verführerische Kraft dieser Arbeit muss darin bestehen, alle antimodernistischen Verdächtigungen seitens des breiten Publikums direkt und unmissverständlich zu bestätigen. Sie werden damit Ihren Ruf als Manipulator und den Verdacht des Totalitären bestätigen, damit das Publikum wieder ausgeglichen wird.
Mit Fabian Hinrichs.

Sonntag, 1.00 Uhr // Zelt
INTERNATIONALER WETTBEWERB Alexander Scheer
Der INTERNATIONALE WETTBEWERB (sic!) ist eine Band, die von der Straße kommt und echten Berliner Großstadtskiffle spielt. Songs von Dean Martin, Johnny Cash und aus eigener Feder begeistern das Weltpublikum, wenn der INTERNATIONALER WETTBEWERB spielt. Danach ITSCHI-WITSCHI-DJ-Team.


3. STOCK

19 Uhr und 19.45 Uhr
DIE LEIDENDE STADT. KONZERT FÜR NÄHMASCHINE UND EINE SCHAUSPIELERIN
Bruno Wille // Regie und Bühne: Gero Troike
Bruno Wille, Mitbegründer der Freien und der Neuen Freien Volksbühne 1890 und 1892, beschreibt in seinem lyrischen Text, wie das großstädtische Leben den Einklang des Menschen mit der Natur und des Menschen Pakt mit sich selbst zerstört. Tag und Nacht sind die Stadtmenschen verwoben mit ihrer Arbeit. Und nach der Arbeit ruft eine andere Arbeit, heute Freizeit genannt, die wir konsumieren müssen und auch wollen. So zieht sich der Strick um uns eng, und eine schöne Frau an einer SINGER-Nähmaschine, völlig überarbeitet, näht ihre Träume.
Regie/Bühne/Orchesterwart: Gero Troike. Kostüme: Dorothee Curio. Es spielt Sophie Rois.

20.45 Uhr
RUDIMENTÄR
August Stramm // Regie: Axel Wandtke
Ein Berliner Paar um 1910 am unteren Rand der Gesellschaft. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Alkoholismus und allgemeine Verwahrlosung prägen die Szenerie. Die Kleinfamilie als umkämpftes Gebiet, als Brutstätte von Gewalt bekräftigt die Lust am Verfall der bewährten Institution Familie. Hinter den Emotionen offenbaren sich die Mechanismen, die das Denken verstümmeln und das Bewusstsein auf Geld und Konsum reduzieren. Ausstattung: Anja Bieling. Mit Inka Löwendorf, Andreas Frakowiak, Mex Schlüpfer.

22 Uhr und 23 Uhr
DIE HEIMARBEITERIN
Lothar Trolle // Einrichtung Claudia Geisler
Sie wohnt in Pankow, es ist eng. Sie, „die Heimarbeiterin, Raphaela F., 19 Jahre“ fristet ihr Dasein. Sie singt. Eine Stimme berichtet. Sie gebiert, wird zur Kindsmörderin und holt ihr totes Kind zurück.
Mit Betty Freudenberg & Mandy Rudski.


BALLETTSAAL

18.30 Uhr, 20 Uhr und 21.30 Uhr
1-2-3-BERLIN // Regie: Wojtek Klemm
Eins! Zwei! Drei! Schnell, schnell! Dalli-dalli! Berlin, Berlin! - Hallo Zuhause! Und alle sind aus Heimweh gekommen. Wojtek Klemm erzählt vom heutigen Berlin mit Material von gestern, vorgestern und vorvorgestern; mit Billy Wilder, Heinrich von Kleist und Boleslaw Prus. Texte: Wilder, Molnar, Kleist, Prus, Müller. Mit Anne Ratte-Polle, Tobias Lehmann, Maik Solbach, Musik: Micha Kaplan, Jacob Thein.


RANGFOYER LINKS

durchgehend
WAS WEISS ISCH ALLES VON MEINE BERLINER FAMILIE HEIMAT UND DIE SCHWEINSKOPFSÜLZE VON DER UROMA
Installation von Anne Tismer
„meine familie väterlicherseits is aus berlin meine uroma hat in der freilichgradstrasse gewohnt ganz in der nähe von da wo ich jetz wohne also ich bin ganz in die nähe extra hingezogen damit ich sagen kann ich hab eine heimat oder sowas ich hab auch noch verwandte in potsdam die haben wir öfters besucht bevor die mauer ganz zu war und sie geheimnisträger waren...“


ROTER SALON

18.30 Uhr und 21 Uhr
KINDTALKSHOWHEIM
HEIMTALKSHOWKIND
TALKKINDHEIMSHOW
... ein paar Freunde einladen... Franka Silberstein - Lebensweisheiten, Kirsten Hartung - Lied, Gitarre, Moorraben von London, Konrad Endler - Text- und Liedgut, Thilo Bock - Satyrien, Rex Joswig - Dub-Gesänge, Florian Günther - Weh-Gedichte, Nico Hecht - Backgrove.
Mit Peter Wawerzinek & Freunden. 20.15 Uhr

RUNNIG MIKE// spokenwordberlin siehe DRAUSSEN, vor der Volksbühne

ab 22.30 Uhr
MAIDEN MONSTERS - Das Konzert
Die schöngeistige Band aus Berlin, Tokio und Rapid City/South Dakota ist hart im Nehmen und klar in den Ansagen. Gemäß dem Motto: „Don’t fall in love with the guitarist – fuck the guitarist!“ setzen die Damen auf harte Yankee-Rhythmen, schnellen Tanz und viel zu lauten Gesang. Doris Kleemeyer, Tanja Krone und Wanja Saatkamp.
U N D
HANDS UP-EXCITEMENT! – when the hands point straight up – the excitement starts!
So der vollständige Name der Band, welche gemeinhin dem Kürzel HANDS UP-EXCITEMENT! hörig ist. Die Musik oszilliert zwischen Elektronik, Punk und Chanson, ohne jemals die Melancholie zu verlassen: es ist nicht schlimm, dass du nie wieder glücklich wirst! Mit Claudia Lehmann, Julia Malik, Viola Hamann, Jakob Enderlein, Alex Lode, Stephan Scholz, August Diehl, Hans Narva.
U N D
HYPNODROM
HYPNODROM das sind Christian Obermaier und Michael Pusch. Es ist ein experimentelles, frei improvisiertes drone-noise-Projekt, basierend auf dem Sound analoger Synthesizer und Bassrückkopplungen. Diesmal dabei SCHNEIDER TM.


GRÜNER SALON

18.30 bis 22.45 Uhr und 23.15 bis 1.00 Uhr
DAS BEISPIELHAFTE LEBEN UND DER TOD DES PETER GÖRING: BIOGRAFIE EINES GLÜCKLICHEN BÜRGERS von Thomas Brasch & Lothar Trolle // Konzept / Regie: Uwe Schmieder
Es ist vor und nach dem 13. August 1961 – Mauerbau, Schmuggler, Schieber, Grenzverletzer, Kleinfamilie, NVA (Nationale Volksarmee) und LPG Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). Dazwischen: DER GLÜCKLICHE BÜRGER PETER GÖRING. Ob als Dresdner, Melker oder als Soldat - fleißig und pflichtbesessen, verliebt und vorbildlich – ist er einer der ersten, die den Frieden an der Grenze sichern. Doch als am 23. Mai 1962 an der Berliner Mauer mindestens 120 Schüsse aus einer Kalaschnikow gefeuert werden, bricht der 20 jährige Postenführer Peter Göring, der einen „Grenzverletzer“ stoppen wollte, tot zusammen. Für Bürger beider Systeme und natürlich für alle, die schon immer wissen wollten, wie es im wilden Osten war. Mit Ensemble NNU (Neuer Notwendiger Untergrund)

22.45 Uhr
RIXDORFER PERLEN // Regie: Julia von Schacky // siehe PSSST-Wagen


OBERPARKETT

20 Uhr, 21.30 Uhr, 23 Uhr und 00.30 Uhr
VOLKSBÜHNENVOLKSLIEDER
ein Berlin-Berliner Kulturaustausch
Konzept/Regie: hirche/krumbein productions
Über Skype bringen sich ein deutschsprachiger (Sir Henry) und ein türkischer Musiker (Yusuf Ergün) Volkslieder bei. Auf deutscher Seite wird u.a. gelernt „Sekere katem ben seni: „Ich möchte dich vor Liebe in Zucker wälzen“, auf türkischer Seite „Sing mit uns das Lied, das uns allen gefällt“. Und alle, alle singen mit.


STERNFOYER

20 Uhr bis 1 Uhr
TATTOO // Dustin Reckling
Ihnen fehlt Berlin auf der Haut? Ihnen fehlt das Volksbühnenrad? Wo? Hier kriegen sie es, kurz und schmerzvoll, preisgünstig dazu.

18.30 bis 19.30 Uhr und 21.30 bis 23.30 Uhr
CASTING REVOLUTIONARIES
Gob Squad
CASTING REVOLUTIONARIES ist eine Serie von Videos, die während des Probenprozesses zu REVOLUTION NOW! von Gob Squad entstand und die Frage stellt, auf welcher Seite wir eigentlich stehen. REVOLUTION NOW! ist eine Produktion von Gob Squad mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, dem Schauspiel Köln und donaufestival Niederösterreich.

20.30 Uhr und 22.30 Uhr
MANIFEST DER KALIBANIS
Luna. Laune. Bank. Bilanz. Die endlose Reise der KALIBANIS mit Sack und Pack. Einreise. Ausreise. Wir singen nicht die Lieder, dessen Brot wir essen und warten nicht auf die Krümel, die vom Tellerrand abfallen, wir haben die Welt im Blick. Wir träumen den Traum vom un-entfremdeten Leben und laden alle dazu ein: Spieler, Nach-, Mit- und Weiterdenker, Musikanten, Kinder, Alte, Fremde, Eingeborene, Wanderer zwischen den Welten. Vielgesichtig sind wir, geboren, um frei, nicht Stein zu sein. Ein Rattenschwanz ist uns gewachsen, den reißt uns keiner ab. Wir sind da, immer sind wir da. Es spielt das Ensemble Kalibani.

21.30 Uhr und 23 Uhr
JAZZMUSIK Angela & Gero Troike
(Tenorsaxophon, Klarinette und Banjo)

00.00 Uhr
VOLKSBAND // BERLIN-LIEDER
„Vom Volk an das Volk“


PARKETTFOYER LINKS

18 Uhr bis 18.45 Uhr
KURZFILME
Mischa Leinkauf u. Matthias Wermke
Die Neonorangene Kuh: Eine Entdeckungsreise durch das nächtliche Berlin.
Zwischenzeit: Wenn aus einem Gedanken Realität wird, wenn ein erdachtes Bild anfängt tatsächlich zu existieren, dann wird Fiktion real. Eine Draisine unterwegs auf den Gleisen der Großstadt. Unendlich, ohne Ziel.
Trotzdem Danke: Ein junger Mann säubert die Fensterscheiben von S- und U-Bahnen. Doch statt Geld erntet er Missgunst und Frust. Die so lässige Hauptstadt von der giftigen Seite.

19 Uhr und 22 Uhr
KINTOPP Jürgen Kurz
Die Ausgebeuteten des Kintoppabenteuers sind nicht nur die schlecht besoldeten Operateure, Klavierspieler, Erklärer - ausgebeutet wird das Publikum, die Masse, deren Schaulust, Sensationslüsternheit der Kintoppunternehmer spekulativ in Rechnung stellt.
Akteure: Klavierspieler, Kintoppunternehmer - Jürgen Kurz, Operateur des Handkurbelprojektors - Jakob Damms, Kinoerzähler - Jorres Risse

20.30 Uhr und 23.30 Uhr
DAS RUDIMENTÄRE SYSTEM
nach August Stramm // Regie: Philippe Vincent
Stramm zeigte das Fadenscheinige und Abgedroschene, um das Ideologische dieses Blicks auf die soziale Wirklichkeit seiner Zeit erkennbar zu machen. Die Gruppe „Scènes“ aus Lyon greift das Verfahren Stramms auf, und als Erbe des naturalistischen Dramas erweisen sich heute die Sendeformate des Fernsehens: Wer manipuliert eigentlich wen? Lässt sich eine nicht einseitige Kommunikation via Fernsehen überhaupt herstellen? DAS RUDIMENTÄRE SYSTEM wurde 2006 via Internet auf drei Kontinenten in zwölf Ländern zeitgleich präsentiert.
Jetzt die Berlin-Spektakelfassung mit Axel Wandtke und Anne Ferret. Musiker: Bob Lipman und Jürgen Kurz. Filmdarsteller: Anne Ferret, Gilles Olen, Remi Rauzier.


PARKETTFOYER RECHTS

18.30 Uhr, 22 Uhr und 22.45 Uhr
DIE FILMSCHAFFENDEN Max Müller
Berlin – Welt im Film: Ein Regisseur und eine Schauspielerin hinter der Fassade von Happiness und Anerkennung. Eine Welt aus Traurigkeit, Boshaftigkeit und Neid. „Ich finde euer Kino, ich finde es unausstehlich. Ich hasse euch und euer Kino. Ich hasse euer Kino.“ Ausstattung: Marc Straeck. Von und mit Luise Berndt & Andreas Frakowiak.

19.30 Uhr und 23.30 Uhr
DER STAUB VON BRANDENBURG / MARK UND BEIN VOLKSBÜHNE Volker Braun // Regie: Ivan Panteleev
Eine Arbeitslose, Betrunkene stürzt in eine Baugrube. Den weiteren Abstieg als Behinderte vor sich sehend, erfindet sie eine Auseinandersetzung mit Skinheads. Der Fall erregt Aufsehen: Die Mutter von drei Kindern wird wegen ihres Mutes geehrt und interviewt. Sie erlebt bislang nicht gekannte Aufmerksamkeit und Achtung. Bis ihr Mann, ein entlassener Polizist, sie vor allen der Lüge bezichtigt ... Mit Margit Bendokat, Chor: Miriam Ternes, Frank Bauszus und Reinhard Schmidt.

20.30 Uhr
WE SPENT TIME TOGETHER. LIKE HUSBAND AND WIFE // P14
Regie: Elena von Liebenstein
Von der Unmöglichkeit, Legenden zu erzählen, und von der Unmöglichkeit eines radikalen Rückzugs ins Private. Von der Unmöglichkeit menschlicher Beziehungen, in denen man nicht mehr unterscheiden kann „zwischen einer Pettingparty und einem Zivildienstexamen.“ Von Doppelgängern und schrulligen Kindern, die immer schon mehr wissen, als ihre wahnwitzigen Eltern und von Jugendlichen, deren Fragen größer sind als ihre Kaffeetassen. Frei nach Ulrich Plenzdorfs „Legende vom Glück ohne Ende“. P14-Leitung: Vanessa Unzalu Troya. Es spielt P14.


BÜROS 1.OG

zur vollen Stunde von 20 bis 23 Uhr
Pressebüro
LIGA ZUR VERTEIDIGUNG DER NEGERRASSE // Peter Ott
Das Büro zur Verwaltung der Revolution zeigt: Willi Münzenbergs Ende!/ Eifersucht, Verrat, Intrige, oder nur ein blutiges Missverständnis?/ Was geschah wirklich im Netzwerk des Kampfes gegen den Imperialismus?/ Kommen Sie und erleben Sie hautnah eine Séance im Sekretariat der Liga zur Verteidigung der Negerrasse (deutsche Sektion/Berlin). Mit Susanne Amatosero, Mandjou Doumbia, Peter Ott und Ibrahima Sanogo.

zur vollen Stunde von 20 bis 23 Uhr
Büro Betriebsdirektion
BIER – EIN GLAS HEIMATKUNDE // Thomas Irmer
Die Brauereien in Prenzlauer Berg, besonders die an der Schönhauser Allee, waren im späten 19. Jahrhundert ein Motor der Stadtentwicklung. Bald wohnten die Biertrinker gleich neben den Brauereien und diskutierten in den dazu gehörenden Biergärten. Die Schönhauser Allee als Straße des Bieres, von den Feldern des Pankower Nordens bis in die Kantine der Volksbühne. Natürlich mit (mindestens)einem Glas Bier.

zur vollen Stunde von 20 bis 23 Uhr
Intendantenbüro
BERLINER DUELLE
Die Neuköllner Lesebühne BERLINER DUELLE macht das Intendantenzimmer zum Kampfspielplatz des absurden Agitprop. Die Stichwortgeber des linksdiskursiven Weltverbessererbetriebs würden sich im Grab umdrehen, wenn sie wüssten, welch verquer-desavouierenden Suaden ihnen von den fünf respektlosen Renegaten in Rededuellen, Songbattles und Filmfakes in den Mund gelegt werden ... freilich nur, wenn sie schon tot wären. Mit Sascha Reh, Olaf Dahmke und Harald Wissler.

zur vollen Stunde von 20 bis 23 Uhr
Büro Dramaturgie
ALGENBERATUNG // Friedrich Liechtenstein
Dass da draußen eine Welt jenseits von klein gemusterten Schürzen, Baumarktgerümpel, Mayonnaisesalat mit Boulette möglich ist, dass die Mauer nicht nur aus Doofheit und Faulheit auf der einen Seite, aus Gier und Kaltblütigkeit auf der anderen Seite gefallen ist, wisst Ihr doch! Mensch! Es gibt eine Sehnsucht nach … das kann keiner bestreiten. Friedrich Liechtenstein präsentiert ein Überlebensmodell mit Algen und Songs, die all diese Sehnsüchte verbinden!


SAUNA

von 19.30 bis 20.30 Uhr und von 22 bis 23 Uhr, jeweils alle 20 Minuten
WIDER DEN DONJUANISMUS oder VOM WESEN DER GESCHLECHTSKRANKHEITEN
Texte: Dr. Karl Linser / Heiner Müller // Regie: Andreas Merz
Seit Jahrtausenden sind die venerischen Krankheiten eine unaufhörliche Qual, eine stete Geißel für die Menschheit. Oft genügt schon das erstmalige intime Zusammensein eines bis dahin zurückhaltenden, zu seinem Unglück aber mangelhaft aufgeklärten Menschen mit einer geschlechtskranken Person, und eine Minute vielfach recht zweifelhaften Genusses kann zuweilen ein Leben voller Leiden zur Folge haben. Hat die Mauer uns geschützt?
Mit Nadine Boske, Kristin Suckow und Alexander Finkenwirth.


GARDEROBE

ab 19.30 Uhr
STUNDENHOTEL INTIM
Sie suchen seit Jahren vergeblich ein Stundenhotel, das Ihren ausgefallenen Ansprüchen genügt? Sie wollen schon immer im Theater allein sein? Schon immer ungestört in einer Künstlergarderobe Verbotenes tun? Oder das Nebenzimmer beziehen und durchs wohlplazierte Loch in der Wand spähen? Oder ganz real mitten in einer Szene landen, die eigentlich Ihrem Hirn während eines nachmittäglichen Tiefschlafs entsprungen sein könnte? Mit Soundtrack, vier halbrealen Halbgeschwistern, Kniff in den Arm gratis dazu. Von und mit der torstrasse-intim-WG: Maria Kamutzki, Maria Kwiatkowsky, Tina Pfurr und Wieland Schönfelder.


INNENHOF BELEUCHTUNG

20 Uhr, 21.30 Uhr und 23 Uhr
KELLERPREDIGT: „WAS SOLL SCHON KOMMEN, WENN VORHER NICHTS WAR“ Text: Hanjo Seißler // Regie: Andreas R. Bartsch
„Siehe ihr seid nichts, und euer Tun ist auch nichts, und euch wählen ist ein Gräuel“ Jesaja, 41, 24. Nahe dem verdienten, grimmigen Volkskoch Funk hält Hauptstadtprophet Klink eine bizarre Kellerpredigt an die Berliner Republik. Die Gutmeinenden, Verkommenen, Trostlosen, Hoffnungsvollen, Demütigen. Ein Exorzismus der Worte und Werte. Eine szenische Lästerlaudatio des medienzornigen Seißler, eine virulente Verirrung, ein fatalistisches Anrennen gegen Volks-Niepel. Mit Rüdiger Klink, Manfred Niepel, Christian Funk.


RAUCHERHOF

19.30 Uhr und 22.30 Uhr
ICH HAB’ DIE NASE VOLL: EIN ENTZUG MIT CHRISTIANE F. UND WLADIMIR MAJAKOWSKI // Regie: Andreas Schimmelbusch
Die F., ein Kind der 80er, streift durch das Berlin der Gegenwart auf der Suche nach ‚Europas modernstem Sound‘. Sie begegnet Majakowski, der für das Berlin der 20er ‚nichts anderes empfinden kann als Mitgefühl‘. Auch die F. findet sich in der neuen Stadt nicht mehr zurecht. Während Majakowski ein paar Jahre nach seinem Berlinaufenthalt aus dem Leben schied, wird der F. ihre Flucht verwehrt. Ein geheimnisvoller Scheinwerfer stellt ihr rund um die Uhr nach. Und keiner "macht das Licht aus". Mit Anne Ratte-Polle, Scheinwerfer: Matthias Schellenberg.


KANTINE

20.30 Uhr und 21.30 Uhr
WILLKOMMEN IN DER KANTINE // Peter Welz
Welz, Spielfilmregisseur (Burning Life, Banale Tage) setzt seinen legendären, umstrittenen und preisüberhäuften DEFA-Diplomfilm aus dem Jahr 1988 (Drehbuch Frank Castorf) in der Volksbühnenkantine in Originalbesetzung (!) theatralisch um.
I’ve got a little red rooster too crazy to crow for day …/ Nix crazy! Lazy, lazy, Alter! … he keeps all hens in the barnyard / upset in every way.
Mit Franziska Hayner, Marie Gruber, Uwe-Dag Berlin.

23.30 Uhr
MEX SCHLÜPFER SOLO
Mex Schlüpfer singt therapeutische Lieder, joggt neuköllnisch und liest Geschichten aus dem anarchistischen Theateralltag, musikalisch kommentiert von eigenhändigem LUSO-Spiel! („Weil Arschgeige kann sich ja keiner mehr leisten!“)

ab 00:00 Uhr Kantine
LIVE-GLAM-SET MIT DEM KÖNIG DER FLANEURE FRIEDRICH LIECHTENSTEIN


STUHLLAGER // Keller

20.30 Uhr und 22 Uhr
DAS GLÜCK, EIN MORPHINIST ZU SEIN Hans Fallada // Regie: Inka Löwendorf
Hans Fallada, lange Zeit Morphinist, beschreibt ein Berlin der 20er Jahre, in dem sein Morphiumabhängiger Ich-Erzähler versucht, mit seinem besten Freund Wolf auf alle erdenklichen Arten und Weisen an den begehrten Stoff, damals Benzin genannt, zu gelangen. Eine Reise durch die Stadt beginnt, ein Abklappern der Apotheken, ein Prellen der Ärzte und Suchen in den Kneipen wird zum rastlosen Abenteuer unter Druck, bis zum Druck. MIt Alexander Ebeert & Stephan Schäfer.

19.30 Uhr und 23 Uhr
PROSPEKT KOSMONAWTOW
Text: Ludmila Skripkina / Delphinov.net // Regie: Britta Benedetti / Jelena Charlamowa
Aus Leningrad - über Zürich - nach Berlin! Wie auch immer: Boom! Boom! Boom!/ Die Russen kommen, kommen…/ Boom! Boom! Boom!/ Die Russen ziehen um!
Mit Ludmila Skripkina.


HEIZUNGSKELLER

stündlich ab 19.30 bis 0.30 Uhr
VOODOO - RITUALE // Regie: Carolin Mylord
Eingeborene! Kubaner (Einreisevisa und Arbeitserlaubnis vorhanden!) beschwören in Anwesenheit waschechter Hühner und Ziegen (Tierschutzzertifikate vorhanden!) die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und ihren Intendanten, um Böses ENDGÜLTIG abzuwenden und die dem Haus ureigene dämonische Energie freizusetzen!
Mit Marinella Damiani, Arturo Martinez Cabrera und Sarah Moldenhauer.   

Spektakel X - Programmflyer (PDF zum Downloaden)

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