Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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DilDile - Türkisches Literaturfestival: Eröffnung mit Lesung und Konzert

Zwischen Trauma und Tabu - Lesung mit Sema Kaygusuz, Fethiye Çetin, Anne Ratte-Polle und Maria Kwiatkowsky - 22 Uhr Konzert mit Nevzat Akpınar & Ensemble


In der Türkei ist nicht nur politisch einiges im Umbruch – auch in der Kunst- und Kulturszene brodelt es gewaltig. Einen regelrechten Wandel erlebt derzeit die junge türkische Literatur: Sie ist widerspenstig, ihre Sprache bahnt sich ihren eigenen Weg, sie lässt sich keiner gesellschaftlichen Strömung zuordnen. Sie sucht nach Identität und hinterfragt die Rechte des Einzelnen. Es ist die Epoche der Individualisten, der Fragestellenden, die sich selbstbewusst den Problemen des Individuums, seiner Einsamkeit und der Gewalt des heutigen städtischen Lebens stellen.
Die jungen Autoren verweigern sich einer generalisierenden Einordnung, historisch und politisch. Aber – sie werfen den Blick auch zurück in die dunklen Phasen der türkischen Geschichte und bringen sie mit neuen ästhetischen Mitteln aufs Papier. Doch – was erreicht uns hier in Deutschland von diesem produktiven Ausbruch? Was verbinden wir mit der Türkei jenseits von Minarett und Kopftuch?
Das Literaturfestival DilDile will einen übergreifenden Eindruck des vielfältigen Panoramas der türkischen Literaturszene bieten. Ziel des Festivals ist es, neue und alte Leser anzulocken und die türkische Literatur längerfristig in den Berliner Literaturbetrieb einzugliedern. Die Volksbühne, als wichtige Kulturinstitution und geschichtsträchtiger Ort im Zentrum Berlins, wurde von uns gewählt, um türkische Kunst und Kultur weg von den Rändern und hin zur Mitte zu tragen. Denn die türkische Kultur ist kein Fremdkörper, sie gehört zur deutschen Kultur.
Der türkische Name des Festivals DilDile «von Sprache zu Sprache» steht für Aufgeschlossenheit und Dialog: DilDile bietet Raum für Austausch und Auseinandersetzung zu Themen wie Erinnerung, ethnischer Vielfalt, Widerstand, Identität und Sprachästhetik.

Fethiye Çetins Buch „Anneannem“ (Meine Großmutter, 2004) erzählt die Leidensgeschichte ihrer armenischen Großmutter, die 1915 mit ansehen musste, wie die Männer ihres Dorfes grausam hingerichtet wurden. In eine türkische Familie aufgenommen, zählt sie zu den vielen „versteckten Armeniern“, die türkifiziert wurden. Auch Sema Kaygusuz nähert sich in ähnlicher Weise in ihrem Buch „Yüzünde Bir Yer“ (Eine Stelle in deinem Gesicht, 2009) der alevitischen Geschichte ihrer Familie. Beide Autorinnen erzählen in ihren Texten aus der Perspektive der Opfer von Schuld und Schamgefühlen, denen die Überlebenden von Massakern und Verfolgung oftmals ausgesetzt sind.

Im Anschluss Konzert Nevzat Akpınar & Ensemble: „Liebe ohne Worte‘“
Die Musik des Komponisten und Bağlama-Spielers Nevzat Akpınar ist eine originelle Mischung aus verträumten, lyrischen Melodien, vielfältigen Rhythmen und virtuosen Improvisationen. Musik eingehüllt von klassischen europäischen Klangwelten, aber getragen von „orientalischen“ Rhythmen.
Carlos Pica: Kontrabass, Uli Moritz: Percussion, Michael Dolak: Bandoneon, Nevzat Akpınar: Bağlama, Komposition

  

DilDile Programmheft (PDF-Download)
DilDile Homepage

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