Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Der Spieler

nach Fjodor M. Dostojewskij


Gerade ist er zurück aus Las Vegas: Alexander Scheer. Noch benommen von Jetlag und Gefühlsextremen. Erst hatte er eine Glückssträhne, fuhr in der Stretchlimo ins Casino; am nächsten Tag wachte er bankrott mit Hangover auf einem Friedhof für ausrangierte Leuchtreklame auf. Eine Therapie gegen Spielsucht schlug nicht an. Ein paar Tage träumte Scheer in der amerikanischen Wüste den Traum, der in uns allen steckt. Nicht mehr arbeiten! Sich aus den Ausbeutungsmechanismen der Gesellschaft herauskatapultieren. Über Nacht reich sein, Geld in Überfülle! Der Spießer spielt nach dem nine-to-five-Job Lotto und wartet sein Leben lang auf den Millionen-Jackpot. Der Riskierer, artverwandt mit dem Kapitalisten, geht ins Kasino.

Scheer riskiert als „Spieler“ alles. Am Roulettetisch. Auf der Bühne. Er ist als Alexej Iwanowitsch nicht nur das Alter Ego von Fjodor Dostojewskij, dem Getriebenen, dem Romancier der Extreme, dem Süchtigen, der den Roman – er sollte zunächst eigentlich „Roulettenburg“ heißen – nach einem teuflischen Vertrag mit seinem Verleger in 26 Tagen diktiert. Sein Verhältnis zum Materiellen und Emotionalen ist sadomasochistisch verkehrt: so wie er sich im Spiel selbstsicher vertraut, tritt er gegenüber der von ihm angebeteten Polina sich selbst erniedrigend auf .

In "Der Spieler" geht es, im Gegensatz zu den anderen Romanen Dostojewskijs, nicht um politische Außenseiter, um Transzendenz oder den Gottmenschen. Stattdessen wird das Vexierbild der Westlichen Gesellschaft entworfen, die das Potential der Auflehnung mit Glücksversprechen vom schnellen Reichtum absorbiert. Wo das Spiel – das Schiller als Grundgeste der Freiheit benannt hat –, nicht dem ureigensten Menschsein dient, sondern in Sucht umschlägt und als Normalität gesellschaftlicher Selbstverwertung bis hin zur Selbstauslöschung gefordert wird. Stattdessen dominiert – ein Motiv, das sich in Dostojewskijs surrealer Erzählung „Das Krokodil“ zuspitzt – das ökonomische Prinzip. „Der Spieler“, zwischen Roulettenburg und Las Vegas, wird hier zu dem, auf was er setzt: Zero.

Spieldauer: 4 Stunden 40 Minuten, eine Pause   

Mit: Alexander Scheer (Alexej Iwanowitsch), Sophie Rois (Großtante Antonida Wassiljewna Tarassewitschewa), Kathrin Angerer (Polina Alexandrowna), Hendrik Arnst (General Sagorjanski), Georg Friedrich (Marquis des Grieux), Margarita Breitkreiz (Mademoiselle Blanche), Mex Schlüpfer (Mr. Astley), Frank Büttner (Madame la vuve de Cominges & Potapytsch) und Sir Henry (im Krokodil)

Regie: Frank Castorf
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Bert Neumann
Licht: Lothar Baumgarte
Musik: Sir Henry
Kamera: Andreas Deinert, Mathias Klütz
Liveschnitt: Jens Crull
Ton: Klaus Dobbrick
Dramaturgie: Sebastian Kaiser

Eine Koproduktion der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit den Wiener Festwochen.

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