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Der Sandmann

Schauermärchen nach E.T.A. Hoffmann und Oskar Panizza. Fassung: Thomas Martin


"Was Sie hier sehn, es sind ja alles Bilder, das ist wahr, genauer noch: Bilder von Bildern. Und sind wir das nicht alle, deckungsgleich von Herkunft an, nämlich Kopie?"

Die beste Prothese des Menschen ist das schlechte Gewissen, das der Grund aller Verdrängung ist und die Grundlage unsrer Kultur. Die Montage "Der Sandmann" – nach E.T.A. Hoffmanns gleichnamiger Erzählung und Oskar Panizzas "Die Menschenfabrik" – rückt den Begriff des Künstlichen Menschen ins Zentrum. Der Künstliche Mensch ist eine Erfindung des Theaters und der Literatur vor der Wissenschaft. Die Autoren der literarischen Vorlage waren Außenseiter und Avantgardisten ihrer Zeit und ihrer Genres: Hoffmann (auch Musiker, Jurist und Zeichner) verkörpert wie kein anderer die dunkle Seite, Rausch und Realität der deutschen Romantik, die in Kafkas Dichtung ihren Schlussstein fand. Zwischen Hoffmann und Kafka blüht der "Spaltpilz, Nestbeschmutzer, Gotteslästerer und Staatsfeind" Panizza (auch Mediziner und Psychiater), der die Tradition der Gegenkultur in der Kunst in das 19. Jahrhundert überführt hat. Hoffmanns Menschen-Puppe Olimpia und Panizzas utopistisch-satirische Neukreation der Spezies sind Figurationen für die Gegenwart und voller Zukunft, abzulesen an Generationen künstlicher Menschen- und Textfabrikation seit ihrer Entstehung. Sebastian Klinks Inszenierung zeigt diesen Entwurf an der Grenze zur Realität der Klone, die Grund unsres Schauderns ist, und den damit möglichen Verwicklungen, die der Grund unsres Lachens, der Komödie, sind. Beide Erzählungen über die Künstlichkeit menschlichen Daseins – zu der die schleichende Verunmenschlichung der Kunst gehört – sind in der Fassung von Thomas Martin zu einem Stück absurden Theaters über das Kunst-Produkt Mensch verschmolzen. Nach "Weihnachten mit der Addams Family" im letzten Jahr ist "Der Sandmann" Sebastian Klinks zweite Inszenierung an der Volksbühne – und dieses Jahr im Großen Haus.

Premiere am 7. Dezember 2012

  

Mit: Axel Wandtke (E.T.A./Vater), Maximilian Brauer (Nathanael), Inka Löwendorf (Clara), Mandy Rudski (Mutter), Kathrin Wehlisch (Menschenfabrikdirektor/Coppelius/Coppola), Franziska Junge (Olimpia), Frank Büttner (Spalanzani), Niklas Kohrt (Lothar), Alexander Ebeert (Siegmund) und Jürgen Kurz (Kurz der Organist)

Sound-Design: Christopher von Nathusius

Regie: Sebastian Klink
Bühne und Kostüme: Thomas Schuster
Musik: Jürgen Kurz
Licht: Johannes Zotz, Hans-Hermann Schulze
Video: Konstantin Hapke

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