"Ich warte auf die Entschlüsselung meines verfickten Lebens", heißt es in René Polleschs "Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr" aus dem Jahr 2000. Das Grundmotiv seiner Arbeiten ist der fortwährende Versuch aller Beteiligten, sich in einer unübersichtlich gewordenen Lebenswelt zurecht zu finden. Die Texttiraden der Schauspieler führen weder definierte Figuren noch zusammenhängende Geschichten vor. Vielmehr springt der Redefluss der Darsteller oft in rasender Geschwindigkeit assoziativ hin und her zwischen Filmzitaten, Gesellschaftskritik und philosophischen Denkmodellen von Agamben bis Baudrillard. „Meine Arbeiten“, sagt Pollesch, „leben von einer Kompetenz für das, was meine Probleme sind, von meinem Wunsch, mich zu verorten, meinem Wunsch, mich zu orientieren und der damit verbundenen Energie.“ Dabei geht es um die fortschreitende Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die Privatisierung des öffentlichen Raumes, die Idee der bürgerlichen Familie oder die Auflösung des menschlichen Subjekts im Medienzeitalter.
Die Ruhrtrilogie ist ein über drei Jahre gespanntes Open-Air-Projekt, in dem die Stadtlandschaft Ruhr eine tragende Nebenrolle spielt. „Und doch ist es eben dieser theatralische Umgang mit dem Film (oder die filmische Umsetzung des Theaters), der in "Cinecittà Aperta" dem Theoriegeschwader einen ansehnlichen, durchaus ironischen Subtext liefert und dank der Schauspieler für größtes Vergnügen sorgt. Martin Laberenz rollt sich in Stuntman-Manier in Zeitlupe über das langsamst fahrende Auto [...], Christine Groß begibt sich als Regisseurin zum Dreh auf die Suche nach der Drehbühne [...] Und wenn sich die Stars im Startrailer die Haare fönen, kommt der Mann von der BEWAG und die anderen müssen kalt duschen.“ (nachtkritik zu "Cinecittà Aperta")
Mit: Fabian Hinrichs und Volker Spengler
Text und Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Nina von Mechow
Kamera: Ute Schall
Licht: Frank Novak
Dramaturgie: Aenne Quinones
Eine Koproduktion der Volksbühne Berlin mit dem Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr, der Rotterdamse Schouwburg und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Gefördert von der Kunststiftung NRW, der Stadt Mülheim an der Ruhr, dem Niederländischen Außenministerium, dem Niederländischen Theaterinstitut und der SMW GmbH.