Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Der General

von René Pollesch


Was ist denn ein größerer Feind der Menschen als der Tod? Menschen hohen Alters zerbröckeln ohne Krankheit und ohne gewalttätigen Eingriff. Aber wir sind hier gegen Gewalt und gegen alles, was gesundheitsschädlich ist. Warum sind wir nicht gegen den Tod! Warum den nicht bekämpfen? Deine Mutter hat in deiner Todesanzeige geschrieben: Du gehst jetzt in eine bessere Welt. Nein. Ich war doch hier. Wie kann man das vernachlässigen? Bin ich keine bessere Welt? Wie ist das denn mit Neunzigjährigen oder mit 100-Jährigen, die sterben, weil sie sterben müssen? Die Erfolgsmeldungen der Medizin oder die Warnungen, die man täglich in der Presse liest, vor zu viel Salz oder zu wenig Bewegung, was sind denn das für Botschaften, wenn wir vor den Gefahren des Lebens gewarnt werden? Es sind Botschaften, die nur die 100-Jährigen entziffern können. Sie sagen immer wieder dasselbe: "Aber eines ist doch ganz klar, und wir müssen das auch nicht dazu sagen: Wir werden alle sterben." Doch! Sie sollten das jetzt mal dazu sagen.


Das ist mir nämlich nicht so klar, dass ihre Erfolgsmeldungen auf die Identifikation mit dem Tod zielen. "Ohne die Vorstellung eines vom Tod befreiten Lebens kann der Gedanke der Utopie nicht gedacht werden. Man braucht nur irgendwann einmal bei sogenannten wohlgesinnten Menschen von der Möglichkeit der Abschaffung des Todes zu sprechen. Da wird man der Reaktion begegnen: Ja, wenn der Tod abgeschafft würde, wenn die Menschen nicht mehr sterben würden, das wäre das Allerschlimmste. Ich würde sagen, genau diese Reaktionsform ist das, was eigentlich dem utopischen Bewusstsein am allermeisten entgegensteht. Das, was noch über die Identifikation der Menschen mit bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen hinausgeht, worin sich die verlängern, ist die Identifikation mit dem Tod." (Adorno)

Spieldauer: 1 Stunde 25 Minuten   

Mit: Silvia Rieger, Lilith Stangenberg, Johannes Gäde, Judith Gailer, Luis August Krawen und Henry Krohmer

Regie: René Pollesch
Bühne und Kostüme: Bert Neumann
Licht: Frank Novak
Dramaturgie: Anna Heesen

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