Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
 

Babylon must fall

von Jacques Palminger


Eine illegale Hanfplantage vor Berlin ist von der Polizei gestürmt worden. Es kam zu Schießereien zwischen den etwa 200 Beamten aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg und zwei Männern, die später festgenommen wurden. Zudem sollen die Einsatzkräfte von Kampfhunden attackiert worden sein... Diese Pressemeldung bildet einen Ausgangspunkt für Jacques Palmingers erste Regiearbeit: Vier Großstadttauben haben sich im Wald ein Nest gelegt und warten auf die Ernte. Ausnahmezustand, das Leben wird auf einen neuen Schlüssel gestimmt oder frei nach Heiner Müller: Befreiung aus der Sinnschleife, in der die Stimme erstickt. Marihuana und weißer Rum, Dehnen und Stauchen der Zeit. Die Säge geht hin und her. Eine psychotische Feuerzangenbowle zwischen Selbstauslöschung und Erleuchtung. Man schwört sich ein, das Feld zur Not mit Gewalt zu verteidigen, träumt von einem Kampf gegen die Polizei, wünscht sich Waffen, einen zermürbenden Stellungskrieg oder einen Hubschrauberangriff mit Abschuss. Baudelaire im Erdloch, Jünger im Astloch, Mühl im Arschloch, Soldaten in der Luft. Man muss für alles bezahlen. Bald werden die Bäume mit Blut gewaschen. Vom Erdloch in den Schützengraben in zwölf Schritten. Erster Weltkrieg und DUBsound. Stahlgewitter-Gefühl statt Konsens und Liberalismus. Psychedelik und Humor im Stellungskrieg, eine gute Grundstimmung, mindestens so wie im Herbst 1914.

Palminger, selbsternannter AAO- und Mühl-Intimus sowie THC Aficionado, Energetiker und Obstmystiker, Gründungsmitglied der Geheimloge Studio Braun und begeisterter Punkschlagzeuger, hat im Prater seine Lieblingsthemen auf ein Rad geflochten.   

Mit: Herbert Fritsch, Susanne Jansen, Guido Lamprecht, Jonas Landerschier, Anca Munteanu-Rimnic, Jacques Palminger, Mira Partecke, Jens Rachut, Jan Roder und Komi Mizrajim Togbonou

Regie: Jacques Palminger
Raum: Bert Neumann
Bühnenbild/ Kostüme/ Video: Anca Munteanu-Rimnic
Musik: Jonas Landerschier, Jacques Palminger, Jens Rachut, Jan Roder

//