Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
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Afrika-Konferenz | Kunst

Parallel und im Anschluss zu dem Diskussionsteil wird das ganze Haus durch Künstler bespielt

ab 15.00 Uhr, Vorplatz

Vor dem Portal der Volksbühne stellt der Berliner Künstler Philip Metz eine Skulptur mit dem Titel "Le herós invisible" auf, die an die kamerunischen Soldaten erinnert, die für das Deutsche Reich während des 1. Weltkrieges – in dem die europäischen Kolonialnationen auch Kriege für ihre Interessen in Afrika führten – ihr Leben lassen mussten. Zwar gibt es bspw. in Douala ein Soldatendenkmal, das gefallene französische Soldaten ehrt; ein Andenken an die indigenen Opfer fehlt jedoch bisher. In der Kassenhalle dokumentiert –  ebenfalls Philip Metz – mit seiner Installation „Adler Afrika/Bodycount“ die erste „Akquise“ einer deutschen Kolonie und den 1683 initiierten Bau einer Sklavenfestung durch den Kurfürsten von Brandenburg an der sogenannten Goldküste - heute Ghana. Über 20.000 Menschen wurden damals von deutscher Hand versklavt und dem Menschenhandel übergeben.

17.15 Uhr, Großes Haus

Der schwedische Künstler Nikolaj Cyon hat mit „Alkebu-lan 1260 AH“ eine künstlerische und hypothetische Karte entworfen, wie der Kontinent Afrika ohne das Reißbrett der Berliner Konferenz aussehen würde – zu sehen im Großen Haus als Bühnenelement von Konferenz und Podiumsgespräch.

16.00 / 18.00 / 20.00 Uhr, 3.Stock

Markus Öhrn aus Schweden zeigt im 3. Stock die Deutschlandpremiere der Installation „Bergman in Uganda“.

19.15 Uhr, Kassenhalle

Um 19 Uhr 15 läuft der Film „Nebensaison von Philip Metz auf den Monitoren in der Kassenhalle - die Dokumentation eines künstlerisch fingierten Fußballspiels, das in Kamerun in einem leeren Stadium aufgezeichnet wurde und in dem sich zwei Mannschaften in den jeweiligen Nationaltrikots Frankreichs und Deutschlands gegenüber stehen.

19.45 Uhr, Hinterbühne

Der madagassische Regisseur und Leiter des Filmfestivals in Antananarivo, Laza, hat für den Thementag an der Volksbühne einen Kurzfilm entwickelt, der sich mit der Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Vorfahren - vermittelt durch das Zebu-Rind - beschäftigt. Fasa, die wegen eines Zebu-Diebes sehr jung zur Waisen wurde, entschließt sich mit 25 Jahren, Trauer zu tragen. Mit Gedichten will sie Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen und stellt sich dabei die Frage, warum die Lebenden versuchen, mit den Toten zu kommunizieren.

18.00 Uhr, Hinterbühne; 22.00 Uhr, Roter Salon

Eingewoben in das Vortrags-, Film- und Musikprogramm des Tages, zeigen Christian Etongo aus Kamerun und Bernard Akoi-Jackson aus Ghana speziell entwickelte Performances, mit der Perspektive von Afrika auf die Kolonialmetropole Berlin.

Der Künstler Bernard Akoi-Jackson aus Ghana, der maßgeblich als Ko-Kurator das Programm der Gesamtveranstaltung mitkonzipiert hat, zeigt eine Performance auf der Hinterbühne – eine Mischung von live und vorgefertigtem Videomaterial, ein Gang durch öffentliche Räume (Parks, Straßen, Galerien, Museen), auf denen sich Akoi-Jackson selbst in eine Kunstfigur verwandelt, geschmückt mit einer fiktiven "traditionellen" ghanaischen Tracht. Mit Verzierungen oder Anlehnungen an priesterlicher Gewänder verweist er auf Aspekte der königlichen Esoterik, jedoch gibt es keine spezifische Referenz, die ihm eine konkrete Räumlich- oder Zeitlichkeit zuweisen kann. Es ist ein Spiel mit Erinnerungen, Träumen, Wachen und Schlaf; ein Ablaufen der afrikanischen „Manifestationen“ in Berlin, ein Eintauchen in historische Phantasmen und „kosmische“ Schichtungen. Ein Gang durch Jahrhunderte, der Länder und Grenzen bloßlegt...

Christian Etongo zeigt mit „After Tears“ eine Arbeit, die auf dem „Tsô“-Ritual aus Kamerun basiert. Es ist ein Reinigungs-Ritual, das darin besteht, eine Person von einer schlechten Tat zu reinigen, die sie selbst begangen hat. Das „Tsô“ richtet sich an eine Person, die das Verlangen hat, die Missetat sowohl gegenüber seiner Mitmenschen, als auch gegenüber der Gemeinschaft zu beschwören und abzuwenden. Es ist die rituelle Läuterung einer Person, die sich vorsätzlich eines Verbrechens schuldig gemacht hat. Im politisch-historischen Kontext ist „After Tears“ die Anerkennung des Machtmissbrauchs der Kolonisierung und das beiderseitige Verzeihen zwischen den Nationen. Der Ritus wird praktiziert, um das Blut „rein zu waschen“, welches geflossen ist.


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Gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und mit Unterstützung der Goethe Institute in Ghana und Kamerun sowie der Schwedischen Botschaft. In Kooperation mit AfricAvenir e.V., Foundation For Contemporary Art Ghana und Rencontres du Film Court Madagascar

                                                       

 

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