Ach, Volk, du obermieses

Eine Revue am Bülow-Wessel-Luxemburg-Platz von Jürgen Kuttner und André Meier

© Thomas Aurin
 

Die Theatermaschinerie ist die erste, die das Problem begreift. Sie streikt und raubt dem Ereignis das vorgesehne Pathos. Statt Berlins modernste und größte Bühne wie geplant mit Goethes Sturm-und-Drang-Stück „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ einzuweihen, kommt verspätet, aber noch im Kriegsjahr 1914, „Wenn der junge Wein blüht“, eine „gemütvolle Greisenkomödie“, zur Aufführung. Doch egal ob Klamauk oder Klassik, die eigentliche Frage ist, was passiert auf einer Bühne, die sich als Volkes ureigene Schöpfung begreift? Was in einem Theater, das stolz darauf verweist, seine Existenz allein dem fleißigen Sammeln von „Arbeitergroschen“ zu verdanken?

„Die Kunst dem Volke“ steht in riesigen Lettern bis zum Wiederaufbau 1954 über dem Haus. Das zeugt von der irrigen Auffassung, es genüge, die Kunst zu kollektivieren, um sie in den Dienst des Volkes zu stellen. Billets für jedermann, und die Sache ist geritzt. „Die Kunst, wie sie von der bürgerlichen Gesellschaft festgestellt ist“, schreibt Erwin Piscator später fatalistisch, „bleibt unangetastet“.

Doch was ist des Volkes Kunst, was ist seine Bühne? Nach den passenden Antworten darauf wird bis heute – mal mehr, mal weniger eifrig – gesucht. Weil das Volk als historisches Subjekt sich partout nicht fassen lässt. Mal demonstriert es unter Dichtergeleit auf dem Berliner Alexanderplatz, mal unter Trinkerführung vor Asylbewerberheimen in Rostock-Lichtenhagen. Kurzum, zwischen Mao und Maoam ist alles möglich.

Pünktlich zum 100. Geburtstag der Volksbühne unternimmt eine große bunte Jubiläumsshow den Versuch, dem irrlichternden Volk auf der langen Suche nach seiner Bühne zu folgen. Eine zackige Zeitreise im Zickzackkurs.
Oder um mit Peter Hacks, dem Titelpatron unserer Show zu sprechen: Ach Volk, du obermieses, / Auf dich ist kein Verlass. Heute willst du dieses, / Morgen willst du das.

Mit: Maximilian Brauer, Margarita Breitkreiz, Ursula Karusseit, Jürgen Kuttner, Silvia Rieger, Sophie Rois, Mex Schlüpfer, Suse Wächter, Harald Warmbrunn, Michael Letz und Band EMMA sowie dem Chor der Werktätigen

Regie: Jürgen Kuttner
Konzeptionelle Mitarbeit: André Meier
Bühne: Nina Peller
Licht: Johannes Zotz
Video: Daniel Tschöpe
Dramaturgie: Sabine Zielke, André Meier

Uraufführung am 4. Dezember 2014, 19.30 Uhr

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