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WELTKULTURERBE

Foto: Joseph Gallus Rittenberg

DEN FRÖHLICHEN EKEL ODER DIE NOTWENDIGE SELBSTHYSTERISIERUNG: Voraussetzung einer kreativen anarchischen Potenz, hat Christoph Schlingensief gelebt. Er ist daran gestorben. Ob wir ihn wollen oder nicht, sein Tod gehört uns, wir müssen reden mit ihm wie mit den Toten, die nach Heiner Müller unverzichtbare Dialogpartner der Kunstproduktion sind. Einverständnis mit dem Gegenstand ist die Voraussetzung von Kunst. Wer einverstanden ist, erkennt die Wirklichkeit an wie sie ist, aber er stimmt ihr nicht zu. Er stellt seine Welt gegen die Welt, eine Realität gegen die andre. Die Gegenwelt, die sie errichtet, ist die Utopie, die tatsächlich keine Chance hat. Die Kunst ist die Traumwelt, ohne die wir Kannibalen sind; daß sie von Gestörten mit der Empfindlichkeit von Blutern gemacht wird, hat Gottfried Benn auf Rezeptpapier geschrieben. Der Künstler, wenn er deutsch ist, ist am stärksten wenn er einsam ist oder der rasende Kleinbürger, der Österreicher Hitler unsrer größter. Schlingensief hat das Phänotypische des Weltenschaffers und –zerstörers mit fröhlicher Abscheu am äußersten Rand der Wirklichkeit inspiziert. Walter Benjamin, den vielleicht kein Höllenkreis von Schlingensief trennt (keine Sorge: der Katholik hat seinen Himmel überall), ist sein Kronzeuge: „Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ‚wie es denn eigentlich gewesen ist’. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt.“ Schlingensief hat gegen die Gefahr des täglichen Konformismus der Warenwelt gekämpft mit der Geste des Zweiflers, der den Finger in die eigne Wunde legt vor allen; im Zeitraum seiner Krankheit und des öffentlichen Sterbens ist er der Notlage, den Opportunismus der Medien der Nachhaltigkeit der Wirkung vorziehen zu müssen, erlegen. Brechts Erfahrung, daß die großen Erfolge große Mißverständnisse sind, hat er mit Leib und Leben kommentiert. Das Bild der sich selber zur Nachhut gewordenen Avantgarde ist der ewige Don Quixote, der mit den Stigmata des Nazareners sein schartiges Schwert hält und damit anrennt gegen die Kreuze der Welt. Ein Selbstverbrenner, jubilierender Jan Pallach des Theaters, ein Konsumartikel, der den Konsum in die Luft jagt, ein Mann, vom eigenen Talent in Geiselhaft genommen, aus der er sein Leben lang den Ausbruch versucht hat, jetzt ist er durch. Zurück bleibt die Erinnerung an das schmeichelnde Gefühl, einer Projektionsfigur für das gesunde Mißtrauen, das durchgeknallten Ministranten gegenüber angebracht ist, beim Missionieren zugesehn zu haben. Daß Zeit auch Frist ist, kann auf jedem Grabstein stehen; gegen die Banalität im Wahren, die ein Ausdruck der Wehrlosigkeit gegen die Verhältnisse ist, hat sich Schlingensief gestemmt wie gegen den Sargdeckel bis das Herz versagt, die Knochen brechen. Er konnte für sich in Anspruch nehmen, Müllers Kunstdefinition auf der Straße installiert zu haben: "Die Arbeit des Künstlers ist ein Privileg, weil sie ein Fest ist. Die Verstaatlichung des Festes oder seine Besetzung mit Ordnungsstrukturen widerspricht seinem Charakter, dem der Grenzüberschreitung."
DIE REALITÄT IST IMMER ANDERS ALS 
DIE WIRKLICHKEIT: die Parole Helmut Kohls, den Schlingensief als Kunstsubjekt dem Tod übergeben hat, überlebt ihre Protagonisten.

Arbeiten von Christoph Schlingensief an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz waren:

1993: 100 Jahre CDU – Spiel ohne Grenzen
1994: Kühnen ’94 – Bring mir den Kopf von Adolf Hitler!
1996: Rocky Dutschke, '68
1997: Schlacht um Europa I–XLII (Ufokrise '97: Raumpatrouille Schlingensief)
1998: Chance 2000 - Wahlkampfzirkus '98
2001: Die Berliner Republik
2001: Erster imaginärer Opernführer (Lovepangs)
2001: Rosebud
2002: Quiz 3000 – Du bist die Katastrophe!
2003: ATTA ATTA – Die Kunst ist ausgebrochen!
2004: Kunst und Gemüse, A. Hipler
2006: Kaprow City

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Die Vorträge der Kommunismus-Konferenz sind jetzt online!

Wir sind wieder da!

Unsere Billettkassen sind wieder täglich von 12 bis 18 Uhr persönlich und telefonisch (030 240 65 777) für Sie erreichbar. Die Spielzeit 2010/2011 eröffnen wir am 16. September mit der Berlin-Premiere Nach Moskau! Nach Moskau! (Regie: Frank Castorf). Am 17. September folgt das Eröffnungskonzert mit Chrome Hoof und Prinzhorn Dance School.

Aktuell

Highlights

Nach Moskau! Nach Moskau!

16.September | 19:30 Uhr | Großes Haus

„Dass Marx und Engels das Lumpenproletariat aus der revolutionären Bewegung ausgegrenzt haben, ist die Grundlage der stalinistischen Perversion“ sagt Heiner Müller. In Russland ist es um 1900 gerade Anton Tschechow, der die Situation der Unterprivilegierten des Zarenstaates genau kennt. In der Erzählung Die Bauern von 1897 stellt der Arzt und ...

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Musikbühne: Spielzeiteröffnungskonzert mit Chrome Hoof, Prinzhorn Dance School

17.September | 21:00 Uhr | Großes Haus

Zwei Ausnahmebands eröffnen musikalisch die Spielzeit: 3 Jahre haben Chrome Hoof an ihrem neuen Longplayer „Crush Depth“ gearbeitet. Eine Achterbahnfahrt durch Dance, Space Rock und Metal in einer Mischung, wie man sie in dieser Form noch nicht gehört hat. Das Londoner Kollektiv, das bei Live-Shows gerne mit 10 bis 14 ...

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Bühne

Frankensteins Rotkäppchen

14.September | 17:30 Uhr | On Tour

Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Puppenspiel und Avantgarde-HipHop haben die Puppetmastaz in den vergangenen Jahren über 400 Konzerte vor mehr als 500.000 Zuschauern gespielt. Nun ist Schluss damit, die Band hat ihre Auflösung bekanntgegeben (aktuelles Album „The Breakup“). Doch mit soviel Freizeit können Puppen nichts anfangen. Deswegen wenden sie sich ...

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Nach Moskau! Nach Moskau!

16.September | 19:30 Uhr | Großes Haus

„Dass Marx und Engels das Lumpenproletariat aus der revolutionären Bewegung ausgegrenzt haben, ist die Grundlage der stalinistischen Perversion“ sagt Heiner Müller. In Russland ist es um 1900 gerade Anton Tschechow, der die Situation der Unterprivilegierten des Zarenstaates genau kennt. In der Erzählung Die Bauern von 1897 stellt der Arzt und ...

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Hitlerine

21.September | 21:30 Uhr | On Tour

Hitlerine ist eine radikalmilitante, eitle Egoistin, ausgestattet mit einem beinahe postmodernen Bewusstsein, verkörpert von Aktionskünstlerin Anne Tismer. Irgendwo in Afrika steckt sie fest in einer parallelen Geschichte, in der Adolf nicht vorkommt, aber anderes Schlimmes schon, etwa die Völkermorde zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf dem schwarzen Kontinent. Ihre Anhänger ...

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Musikbühne

Musikbühne: Spielzeiteröffnungskonzert mit Chrome Hoof, Prinzhorn Dance School

17.September | 21:00 Uhr | Großes Haus

Zwei Ausnahmebands eröffnen musikalisch die Spielzeit: 3 Jahre haben Chrome Hoof an ihrem neuen Longplayer „Crush Depth“ gearbeitet. Eine Achterbahnfahrt durch Dance, Space Rock und Metal in einer Mischung, wie man sie in dieser Form noch nicht gehört hat. Das Londoner Kollektiv, das bei Live-Shows gerne mit 10 bis 14 ...

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Musikbühne: Jóhann Jóhannsson & String Quartet

26.September | 20:00 Uhr | Großes Haus

Jóhann Jóhannsson ist einer der wichtigsten Protagonisten der isländischen Neo-Klassik. Er betreibt das Label Kitchen Motors, das als eine Art Zentrale für den Output vieler Musiker aus Island fungiert. Als Produzent arbeitete er unter anderem mit Marc Almond, Emiliana Torrini oder Pan Sonic. Seine Theatermusiken, Filmsoundtracks und Soundinstallation aufzuführen, würde ...

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Lesebühne

Lesebühne: Polit Poetry Slam

19.September | 20:00 Uhr | Großes Haus

Der Polit Poetry Slam Berlin ist wie das hiesige Leben selbst. Es geht um Geld und Macht einerseits, um drohende Armut und das befürchtete Abgleiten in die Unterschicht andererseits. Die Berliner Stadtlandschaft verödet, und die Menschen verrohen trotz aller Superlative. Rauh und innig liefert der Polit Poetry Slam den Soundtrack ...

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Lesebühne: Peter Wawerzinek "Rabenliebe"

24.September | 20:00 Uhr | Roter Salon

Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, ...

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Filmbühne

Filmbühne: Babooska

25.Oktober | 19:00 Uhr | Großes Haus

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Filmbühne: La Pivellina

25.Oktober | 21:00 Uhr | Großes Haus

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Karten (0049) 030 240 65 777

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Täglich von 12 bis 18 Uhr
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